Powerchords erklärt: Die Grundlage für Rock und Punk
Zwei oder drei Töne, ein verschiebbarer Griff: wie Powerchords aufgebaut sind, wie du sie sauber greifst und abdämpfst und wann Drop D hilft.
Powerchords in der Standardstimmung
Lesart: senkrechte Linien sind die Saiten, links die tiefe E-Saite. Zahlen in den Punkten nennen den Finger (1 Zeigefinger bis 4 kleiner Finger), ○ heißt leer anschlagen, × heißt die Saite auslassen.
Ein Powerchord ist der einfachste verschiebbare Griff auf der Gitarre: zwei oder drei Töne, immer dieselbe Fingerform, und schon spielst du die Begleitung vieler Rock- und Punklieder. Er besteht nur aus Grundton und Quinte, manchmal ergänzt um die Oktave. Weil ihm die Terz fehlt, klingt er auch mit kräftiger Verzerrung klar und druckvoll, während volle Dur- und Moll-Akkorde dann schnell matschig werden.
Für viele Einsteiger auf der E-Gitarre sind Powerchords deshalb der erste Griff überhaupt. Sie eignen sich aber auch als Vorstufe zum Barré, denn sie trainieren genau die Handposition, die später beim vollen Barré-Griff gebraucht wird. Grundlagen zu offenen Akkorden und Griffbildern findest du im Ratgeber Gitarrenakkorde.
Wie ein Powerchord aufgebaut ist
Ein normaler Dur-Akkord besteht aus drei verschiedenen Tönen: Grundton, Terz und Quinte. G-Dur zum Beispiel aus G, H und D. Ein Powerchord lässt die Terz weg. G5 enthält nur G und D, in der dreistimmigen Form zusätzlich das höhere G.
| Bestandteil | Abstand zum Grundton | Beispiel G5 | Lage im Griff |
|---|---|---|---|
| Grundton | 0 | G | Zeigefinger, tiefste gegriffene Saite |
| Quinte | 7 Halbtöne | D | Ringfinger, Nachbarsaite, zwei Bünde höher |
| Oktave | 12 Halbtöne | G | kleiner Finger, übernächste Saite, zwei Bünde höher |
Daraus ergeben sich zwei praktische Folgen. Erstens ist ein Powerchord weder Dur noch Moll und passt deshalb an Stellen, an denen ein Lied einen Dur- oder einen Moll-Akkord verlangt. Zweitens bleibt die Fingerform auf den tiefen Saiten immer gleich. Du lernst einen Griff und verschiebst ihn einfach.
In Akkordbüchern und Tabs erkennst du Powerchords an der angehängten 5: E5, A5, G5. Manche Notenausgaben schreiben stattdessen „no3“ oder „(no 3rd)“ hinter den Akkord.
So greifst du den Powerchord
Grundton auf der E-Saite
- Setze die Spitze des Zeigefingers auf die tiefe E-Saite, zum Beispiel im 3. Bund. Das ist der Ton G.
- Setze den Ringfinger zwei Bünde höher, also im 5. Bund, auf die A-Saite. Das ist die Quinte D.
- Für die dreistimmige Form legst du den kleinen Finger im selben 5. Bund auf die D-Saite. Das ist die Oktave G.
- Schlage nur diese zwei oder drei Saiten an. Alle anderen Saiten bleiben stumm.
Als Tab sieht das so aus:
e |-----------|
H |-----------|
G |-----------|
D |--5--------|
A |--5--------|
E |--3--------|
G5
Grundton auf der A-Saite
Dieselbe Form funktioniert eine Saite tiefer im Griffbild: Zeigefinger auf der A-Saite, Ring- und kleiner Finger zwei Bünde höher auf D- und G-Saite. Mit dem Zeigefinger im 3. Bund der A-Saite entsteht C5, im 5. Bund D5. Der Vorteil: Viele Akkordfolgen lassen sich so spielen, ohne dass die Hand weit springen muss.
Die Form gilt nur für Grundtöne auf der E- und A-Saite. Liegt der Grundton auf der G-Saite, musst du die Finger wegen der anderen Stimmung zwischen G- und H-Saite anpassen. Für den Einstieg genügen die beiden tiefen Saiten vollkommen.
Welcher Bund ergibt welchen Powerchord?
Die Tonnamen auf den beiden tiefen Saiten musst du nicht auswendig lernen, aber eine Übersicht hilft beim Nachspielen. Beachte die deutsche Schreibweise: B ist der Ton zwischen A und H, im Englischen heißt er Bb.
| Bund | Grundton auf E-Saite | Grundton auf A-Saite |
|---|---|---|
| 0 (leer) | E5 | A5 |
| 1 | F5 | B5 |
| 2 | Fis5 | H5 |
| 3 | G5 | C5 |
| 5 | A5 | D5 |
| 7 | H5 | E5 |
| 8 | C5 | F5 |
| 10 | D5 | G5 |
| 12 | E5 | A5 |
Ab dem 12. Bund wiederholt sich alles eine Oktave höher. Viele Powerchords kannst du also an zwei Stellen greifen, einmal mit Grundton auf der E- und einmal auf der A-Saite. Wähle die Lage, die näher an deinem vorherigen Griff liegt.
Sauber abdämpfen: der wichtigste Teil
Ein Powerchord klingt nur dann druckvoll, wenn wirklich nur seine Töne erklingen. Gerade mit Verzerrung fällt jede mitklingende Leersaite sofort unangenehm auf. Drei Techniken helfen:
- Zeigefinger flach anlegen: Die Unterseite des Zeigefingers berührt die höheren Saiten leicht, ohne sie herunterzudrücken. So bleiben sie stumm, auch wenn du sie versehentlich mit anschlägst.
- Fingerspitze nach unten neigen: Liegt der Grundton auf der A-Saite, tippt die Spitze des Zeigefingers die tiefe E-Saite leicht an und dämpft sie.
- Handballen der Schlaghand: Beim sogenannten Palm Muting liegt der Ballen der Schlaghand locker auf den Saiten direkt an der Brücke. Der Klang wird kurz und perkussiv, typisch für Punk und Metal.
Prüfe die Dämpfung, indem du absichtlich über alle sechs Saiten schlägst. Wenn trotzdem nur der Powerchord zu hören ist, sitzt die Hand richtig.
Erste Übung: Powerchords verschieben
Die folgende Übung trainiert das Verschieben entlang der E-Saite. Spiele vier gleichmäßige Abschläge pro Akkord und wechsle ohne Pause. Die Folge E5, G5, A5 ist ein typisches Muster in vielen Rockstilen.
E5 G5 A5 G5
e |-----------|-----------|-----------|-----------|
H |-----------|-----------|-----------|-----------|
G |-----------|-----------|-----------|-----------|
D |-2-2-2-2---|-5-5-5-5---|-7-7-7-7---|-5-5-5-5---|
A |-2-2-2-2---|-5-5-5-5---|-7-7-7-7---|-5-5-5-5---|
E |-0-0-0-0---|-3-3-3-3---|-5-5-5-5---|-3-3-3-3---|
Beginne langsam mit Metronom und achte darauf, dass die Finger ihre Form behalten, während die Hand gleitet. Der Druck lässt beim Verschieben kurz nach, die Fingerspitzen bleiben aber auf den Saiten. Wenn das sitzt, wechsle zwischen E-Saite und A-Saite, etwa G5 zu C5, denn dafür springt die Form nur eine Saite weiter.
Typische Anfängerfehler sind ein durchgedrückter Zeigefinger, der die Saite nicht sauber abdrückt, und ein kleiner Finger, der beim Verschieben abhebt. Beides lässt sich durch langsames, bewusstes Üben in wenigen Tagen deutlich verbessern.
Powerchords und Drop D
In der Drop-D-Stimmung wird die tiefe E-Saite einen Ganzton tiefer auf D gestimmt. Dadurch liegen die drei tiefsten Saiten so, dass ein Powerchord mit Grundton auf der tiefsten Saite mit einem einzigen Finger quer über alle drei Saiten gegriffen werden kann. Leer gespielt ergeben D-, A- und D-Saite sofort D5. Schnelle Wechsel zwischen Powerchords werden so deutlich einfacher, und der Bass klingt tiefer.
Viele Stile, von Grunge bis Metal, nutzen diese Stimmung genau deshalb. Wie du umstimmst und welche Griffe sich ändern, erklärt der Artikel zur Drop-D-Stimmung.
Warum Powerchords mit Verzerrung so gut klingen
Verzerrung erzeugt zu jedem Ton zusätzliche Obertöne. Spielst du einen vollen Dur-Akkord mit vielen verschiedenen Tönen, überlagern sich diese Obertöne zu einem dichten, oft unsauberen Klangbrei. Grundton und Quinte dagegen stehen in einem sehr einfachen Schwingungsverhältnis zueinander. Die zusätzlichen Obertöne passen gut zusammen, und der Klang bleibt klar und kräftig.
Ein paar Hinweise für den Klang am Verstärker:
| Einstellung | Wirkung bei Powerchords |
|---|---|
| Wenig Verzerrung (Crunch) | Rock, Blues-Rock, Akkorde bleiben durchhörbar |
| Mittlere bis starke Verzerrung | Hard Rock, Punk, druckvolles Riffing |
| Sehr starke Verzerrung | Metal, braucht konsequentes Abdämpfen |
| Mehr Bass, weniger Mitten | wuchtig, kann im Bandkontext untergehen |
| Mitten anheben | setzt sich besser gegen Bass und Schlagzeug durch |
Mehr Verzerrung ist nicht automatisch besser. Je stärker das Signal verzerrt wird, desto deutlicher hörst du jede unsaubere Stelle. Zum Üben ist ein mittlerer Wert ideal. Welche Effektgeräte es gibt und wie sie sich unterscheiden, beschreibt der Ratgeber E-Gitarre: Effekte und Verzerrer.
Vom Powerchord zum Barré
Wer Powerchords sicher greift, hat den schwierigsten Teil des Barré-Griffs bereits geübt: die Position des Zeigefingers auf der tiefen Saite und die Spreizung zu den Fingern zwei Bünde höher. Der volle Barré-Akkord mit Grundton auf der E-Saite ergänzt den Powerchord um die Terz und weitere Töne, die der Zeigefinger quer über alle Saiten abdeckt. Sobald die Powerchords ohne Schnarren klingen, ist der Schritt zum ersten vollen Barré nur noch klein.
Fragen und Antworten
- Warum heißen Powerchords auch Quintakkorde?
- Weil sie nur aus Grundton und Quinte bestehen. Im Akkordnamen steht deshalb eine 5, etwa G5 oder A5. Streng genommen ist ein Zweiklang kein vollständiger Akkord, in der Gitarrenpraxis hat sich der Begriff aber durchgesetzt.
- Kann man Powerchords auf der Akustikgitarre spielen?
- Ja, der Griff funktioniert auf jeder Gitarre. Ohne Verzerrung klingen Powerchords allerdings recht karg. Auf der Westerngitarre passen sie gut zu kurzen, gedämpften Anschlägen, auf der Konzertgitarre sind sie wegen des breiten Halses etwas unbequemer.
- Mit welchem Finger greift man Powerchords?
- Üblich ist der Zeigefinger für den Grundton und der Ringfinger für die Quinte zwei Bünde höher. Für die dreistimmige Form kommt der kleine Finger auf die Oktave. Wer den kleinen Finger noch nicht kontrolliert, kann Quinte und Oktave anfangs mit dem Ringfinger flach abdecken.
- Sind Powerchords Dur oder Moll?
- Weder noch. Dur und Moll entscheiden sich an der Terz, und die fehlt im Powerchord. Deshalb passt derselbe Powerchord sowohl in Lieder, in denen an dieser Stelle ein Dur-Akkord steht, als auch in solche mit einem Moll-Akkord.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.