Drop-D-Stimmung: Wann sie sinnvoll ist und wie sie geht
Eine Saite einen Ganzton tiefer, viele neue Möglichkeiten: wie du in Drop D umstimmst, welche Griffe sich ändern und für welche Lieder es sich lohnt.
Wichtige Griffe in Drop D
Lesart: senkrechte Linien sind die Saiten, links die tiefe E-Saite. Zahlen in den Punkten nennen den Finger (1 Zeigefinger bis 4 kleiner Finger), ○ heißt leer anschlagen, × heißt die Saite auslassen.
Drop D ist die einfachste alternative Stimmung auf der Gitarre: Du stimmst nur die tiefe E-Saite einen Ganzton tiefer auf D, alles andere bleibt gleich. Sinnvoll ist sie, wenn du einen tieferen, wuchtigeren Bass willst, Powerchords mit einem Finger greifen möchtest oder ein Lied in D-Dur oder D-Moll voller klingen soll. Viele Rock- und Metal-Riffs, aber auch Fingerstyle-Stücke sind in Drop D geschrieben.
Die Saiten lauten in Drop D von der tiefsten zur höchsten: D, A, D, G, H, E. Die Standardstimmung und alternative Stimmungen im Überblick findest du im Ratgeber Gitarre stimmen.
So stimmst du auf Drop D
Mit Stimmgerät ist es schnell erledigt: Schlage die tiefe E-Saite an und drehe die Mechanik so, dass die Saite entspannt wird, bis das Gerät ein D anzeigt. Achte darauf, dass es wirklich ein D ist und nicht ein Cis oder Dis. Weil die Saite stark entspannt wird, rutscht sie in den ersten Minuten gern etwas nach. Stimme deshalb nach ein paar Anschlägen noch einmal nach.
Ohne Stimmgerät nutzt du die D-Saite als Bezug:
- Schlage die leere D-Saite (vierte Saite) an.
- Schlage die tiefe Saite an und senke sie langsam ab, bis sie genau eine Oktave unter der D-Saite liegt. Beide Töne verschmelzen dann zu einem Klang ohne Wabern.
- Kontrolle: Greife die tiefe Saite im 7. Bund. Dieser Ton ist ein A und muss genau so klingen wie die leere A-Saite.
- Weitere Kontrolle: Der Flageolett-Ton über dem 12. Bund der tiefen Saite entspricht der leeren D-Saite.
Wie man Schwebungen hört und Saiten nach Gehör angleicht, erklärt der Artikel Gitarre stimmen ohne Stimmgerät.
Was sich durch Drop D ändert
| Bereich | Standardstimmung | Drop D |
|---|---|---|
| Tiefste Saite | E | D, einen Ganzton tiefer |
| Powerchord auf den drei tiefsten Saiten | Zeigefinger, Ring- und kleiner Finger | ein Finger quer über drei Saiten |
| Tiefster Ton der Gitarre | E | D |
| Akkorde ohne tiefste Saite | unverändert | unverändert |
| Akkorde mit tiefster Saite | gewohnte Griffe | Ton auf der tiefsten Saite zwei Bünde höher greifen |
| Saitenspannung tiefste Saite | normal | etwas geringer |
Die Faustregel für alle Griffe: Was auf der tiefsten Saite gegriffen wird, liegt in Drop D zwei Bünde höher. Alles auf den anderen fünf Saiten bleibt gleich.
Powerchords mit einem Finger
Der größte praktische Vorteil liegt bei den Powerchords. In der Standardstimmung braucht ein Powerchord mit Grundton auf der E-Saite drei Finger in zwei verschiedenen Bünden. In Drop D liegen Grundton, Quinte und Oktave auf den drei tiefsten Saiten im selben Bund. Ein Finger quer darüber genügt.
D5 F5 G5 A5 C5
e |-------------------------------|
H |-------------------------------|
G |-------------------------------|
D |-0-----3-----5-----7-----10----|
A |-0-----3-----5-----7-----10----|
D |-0-----3-----5-----7-----10----|
Der Grundton entspricht dabei dem Ton der tiefsten Saite: leer ist es D, im 3. Bund F, im 5. Bund G, im 7. Bund A und im 10. Bund C. Schnelle Wechsel zwischen Powerchords werden dadurch erheblich leichter, weil nur noch ein Finger wandert. Grundlagen zu Aufbau und Technik der Powerchords findest du im Artikel Powerchords erklärt.
Akkorde in Drop D
Für offene Akkorde gilt: Wird die tiefste Saite nicht angeschlagen, ändert sich nichts. A-Dur, A-Moll, C-Dur, D-Dur und D-Moll greifst du wie gewohnt. Interessant wird es, wenn die tiefste Saite dazukommt.
| Akkord | Griff in Drop D (tief nach hoch) | Hinweis |
|---|---|---|
| D-Dur | 0 0 0 2 3 2 | voller Klang mit tiefem D |
| D-Moll | 0 0 0 2 3 1 | wie D-Dur, hohe e-Saite im 1. Bund |
| E-Moll | 2 2 2 0 0 0 | tiefste Saite im 2. Bund |
| E-Dur | 2 2 2 1 0 0 | tiefste Saite im 2. Bund |
| G-Dur | 5 x 0 0 0 3 | tiefste Saite im 5. Bund, A-Saite gedämpft |
| A-Dur, A-Moll, C-Dur | wie gewohnt | tiefste Saite nicht anschlagen |
Gerade D-Dur und D-Moll profitieren deutlich: Mit dem tiefen D als Bass klingen sie viel voller als in der Standardstimmung, in der die beiden tiefsten Saiten stumm bleiben müssen. Das macht Drop D auch für Lieder ohne jede Verzerrung interessant.
Für welche Musik sich Drop D lohnt
Rock, Grunge und Metal: Hier ist Drop D besonders verbreitet. Die Ein-Finger-Powerchords erlauben schnelle Riffs, und der tiefere Bass klingt mit Verzerrung besonders wuchtig.
Folk und Fingerstyle: Bei Stücken in D-Dur oder D-Moll liefert die tiefe Saite einen Grundton, der beim Zupfen durchgehend mitklingen kann, während die Melodie auf den hohen Saiten läuft.
Liedbegleitung in D: Auch beim einfachen Begleiten lohnt sich Drop D, wenn ein Lied viel D-Dur enthält. Der Akkord trägt dann deutlich mehr.
Weniger geeignet ist Drop D für Lieder, die viel E-Dur, E-Moll oder G-Dur in der offenen Form verwenden, weil du diese Griffe anpassen musst. Ob sich das Umstimmen lohnt, hängt also vom Lied ab. Steht im Akkordblatt oder Tab „Drop D“ oder „Tuning: D A D G B E“, ist die Sache klar.
Erste Übung in Drop D
Die folgende Übung verbindet den leeren D-Powerchord mit verschobenen Ein-Finger-Powerchords. Spiele jeden Anschlag als kurzen Abschlag und dämpfe die Saiten zwischen den Akkorden mit dem Handballen der Schlaghand ab. Zähle dabei gleichmäßig mit.
D5 F5 G5 D5 C5 A5
e |-----------|-----------|-----------|-----------|
H |-----------|-----------|-----------|-----------|
G |-----------|-----------|-----------|-----------|
D |-0-0-0-0---|-3-3--5-5--|-0-0-0-0---|-10-10-7-7-|
A |-0-0-0-0---|-3-3--5-5--|-0-0-0-0---|-10-10-7-7-|
D |-0-0-0-0---|-3-3--5-5--|-0-0-0-0---|-10-10-7-7-|
Lege den Zeigefinger flach über die drei tiefsten Saiten, und zwar mit der weichen Innenseite des ersten Fingerglieds. Die höheren Saiten berührt der Finger leicht, damit sie stumm bleiben. Wenn die Übung langsam sauber klingt, steigere das Tempo mit Metronom.
Verwandte Stimmungen
| Stimmung | Töne (tief nach hoch) | Unterschied zu Drop D |
|---|---|---|
| Double Drop D | D, A, D, G, H, D | zusätzlich die hohe e-Saite auf D |
| DADGAD | D, A, D, G, A, D | zusätzlich H-Saite auf A und hohe e-Saite auf D |
| Drop C | C, G, C, F, A, D | alle Saiten einen Ganzton tiefer als Drop D |
Double Drop D und DADGAD bauen direkt auf Drop D auf und sind vor allem im Folk und Fingerstyle zu finden. Drop C ist in härteren Rockstilen verbreitet und erfordert, dass alle Saiten heruntergestimmt werden. Für Drop C und tiefere Stimmungen verwenden viele Gitarristen dickere Saiten, damit die Saiten nicht zu locker schwingen.
Zurück zur Standardstimmung
Um zurückzustimmen, spannst du die tiefe Saite wieder einen Ganzton höher auf E. Ohne Gerät greifst du die D-Saite im 2. Bund, das ist ein E, und stimmst die tiefe Saite eine Oktave darunter. Zur Kontrolle muss die tiefe Saite im 5. Bund wieder so klingen wie die leere A-Saite.
Weil sich durch das Umstimmen die Zugkraft am Hals minimal verändert, verschieben sich manchmal auch die anderen Saiten ein wenig. Ein kurzer Kontrolldurchgang über alle Saiten gehört deshalb nach jedem Wechsel der Stimmung dazu.
Tipps für den Alltag
- Einen Song, eine Stimmung: Stelle beim Üben Lieder in Drop D zusammen, statt ständig hin und her zu stimmen. Jedes Umstimmen kostet Zeit und Stabilität.
- Zweite Gitarre: Wer häufig in Drop D spielt, lässt eine Gitarre dauerhaft so gestimmt, falls eine zweite vorhanden ist.
- Saite nachdehnen: Nach dem Herunterstimmen die tiefe Saite leicht vom Griffbrett wegziehen und nachstimmen, dann hält die Stimmung besser.
- Auf Schnarren achten: Klingt die tiefste Saite in Drop D unsauber, schlage sie etwas sanfter an. Hilft das nicht, kann eine Werkstatt die Einstellung prüfen.
Fragen und Antworten
- Schadet Drop D der Gitarre?
- Nein. Die tiefe Saite wird nur einen Ganzton entspannt, dadurch sinkt die Zugkraft am Hals leicht. Wer dauerhaft in Drop D spielt, merkt eventuell, dass die tiefste Saite etwas lockerer schwingt und leichter schnarrt. Mit einem passenden Saitensatz oder einer Einstellung in der Werkstatt lässt sich das ausgleichen.
- Wie stimme ich ohne Stimmgerät auf Drop D?
- Schlage die leere D-Saite an und stimme die tiefe E-Saite herunter, bis sie genau eine Oktave tiefer klingt. Zur Kontrolle greifst du die tiefste Saite im 7. Bund. Dieser Ton muss genauso klingen wie die leere A-Saite.
- Kann man in Drop D normale Akkorde spielen?
- Alle Akkorde, bei denen die tiefste Saite nicht gespielt wird, bleiben gleich, etwa A-Dur, A-Moll, C-Dur oder D-Dur in der üblichen Form. Bei Griffen, die die tiefste Saite nutzen, verschiebst du den Ton auf dieser Saite um zwei Bünde nach oben.
- Ist Drop D für Anfänger geeignet?
- Ja, als erste alternative Stimmung ist Drop D gut geeignet, weil nur eine Saite verändert wird. Sinnvoll ist sie, sobald die offenen Akkorde und erste Powerchords in der Standardstimmung sitzen und du Lieder spielen willst, die in Drop D notiert sind.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.