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Schlagmuster und Zupfmuster: Rhythmus auf der Gitarre

Wie aus Akkorden Musik wird: zählen, Wechselschlag, die gängigen Schlagmuster und erste Zupfmuster für die Liedbegleitung.

Hand schlägt die Saiten einer Akustikgitarre über dem Schallloch an

Akkorde liefern die Harmonie, der Rhythmus macht daraus ein Lied. Viele Anfänger konzentrieren sich so sehr auf die Griffhand, dass die Schlaghand zur Nebensache wird. Dabei erkennt man ein Lied oft schon am Rhythmus, bevor der erste Akkord bewusst wahrgenommen wird. Diese Seite erklärt, wie Schlagmuster aufgebaut sind, wie die Schlaghand richtig arbeitet und wie du die ersten Zupfmuster lernst.

Erst zählen, dann schlagen

Die meisten Pop-, Rock- und Folksongs stehen im Viervierteltakt: Jeder Takt hat vier Schläge, die Viertel. Du zählst sie als „1, 2, 3, 4“. Teilt man jede Viertel in zwei Hälften, entstehen Achtel, gezählt als „1 und 2 und 3 und 4 und“. In Notationen steht das „und“ oft als Pluszeichen.

Bevor du überhaupt ein Muster spielst, lohnt es sich, laut zu zählen und dazu mit dem Fuß zu klopfen. Das klingt banal, ist aber die Grundlage für alles Weitere: Wer den Puls fühlt, kann jedes Muster darin einordnen. Einige Lieder stehen im Dreivierteltakt, etwa Walzer und viele Volkslieder. Dort zählst du „1, 2, 3“ und betonst die Eins.

Die Schlaghand: immer in Bewegung

Das wichtigste Prinzip beim Strumming lautet: Die Schlaghand pendelt durchgehend gleichmäßig auf und ab. Auf den Zählzeiten (1, 2, 3, 4) bewegt sie sich nach unten, auf den „und“-Zeiten nach oben. Ein Schlagmuster entsteht, indem die Hand bei manchen Bewegungen die Saiten trifft und bei anderen knapp darüber hinweggeht.

Dieses Pendeln hält den Takt stabil, auch wenn das Muster Pausen enthält. Hält die Hand dagegen an, verliert man schnell den Faden. Die Bewegung kommt locker aus dem Handgelenk, ähnlich wie beim Abschütteln von Wassertropfen. Ein mittelstarkes Plektrum wird zwischen Daumen und der Seite des Zeigefingers gehalten und ragt nur ein kleines Stück heraus.

Die wichtigsten Schlagmuster

So werden Schlagmuster meist notiert: Die obere Zeile zeigt die Zählzeiten, die untere den Schlag. ↓ ist ein Abschlag, ↑ ein Aufschlag, ein Leerfeld bedeutet, dass die Hand ohne Saitenkontakt weiterpendelt.

Muster 1: Viertel. Vier Abschläge pro Takt. Klingt schlicht, schult aber das Taktgefühl und passt zum Üben jedes neuen Akkordwechsels.

Zählzeit:  1   +   2   +   3   +   4   +
Schlag:    ↓       ↓       ↓       ↓

Muster 2: Achtel. Ab und auf im Wechsel, acht Anschläge pro Takt. Gut für schnellere Stücke und als Übung für gleichmäßige Aufschläge.

Zählzeit:  1   +   2   +   3   +   4   +
Schlag:    ↓   ↑   ↓   ↑   ↓   ↑   ↓   ↑

Muster 3: der Klassiker. Ab, Ab-Auf, Auf-Ab-Auf. Auf der Drei pendelt die Hand ohne Anschlag nach unten. Dieses Muster begleitet unzählige Pop- und Lagerfeuersongs.

Zählzeit:  1   +   2   +   3   +   4   +
Schlag:    ↓       ↓   ↑       ↑   ↓   ↑

Muster 4: Walzer im Dreivierteltakt. Ein betonter Abschlag auf der Eins, danach zwei leichtere Schläge.

Zählzeit:  1   +   2   +   3   +
Schlag:    ↓       ↓   ↑   ↓   ↑

Ein Muster sitzt erst dann, wenn du es ohne Nachdenken spielen kannst, auch während des Akkordwechsels. Übe deshalb jedes Muster zuerst mit einem einzigen Akkord, dann mit einem Wechsel pro Takt.

Betonung und Dämpfen

Ein Schlagmuster klingt erst lebendig, wenn nicht jeder Anschlag gleich laut ist. In vielen Popsongs liegt die Betonung auf der Zwei und der Vier, im Walzer auf der Eins. Probiere, diese Schläge etwas kräftiger zu spielen. Ein zweites Gestaltungsmittel ist das Abdämpfen: Die Handkante der Schlaghand legt sich direkt nach einem Anschlag auf die Saiten und stoppt den Klang. So entsteht ein perkussiver, fast schlagzeugartiger Effekt. Beides kommt, wenn die Grundmuster sicher sitzen.

Zupfmuster: Akkorde in Einzeltönen

Fünf Patterns als Tab zum Mitspielen zeigt der Artikel Zupfmuster für Anfänger.

Beim Zupfen, auch Picking genannt, werden die Töne eines Akkords nacheinander statt gleichzeitig gespielt. Die Finger der Schlaghand haben dabei feste Aufgaben, die mit den Anfangsbuchstaben ihrer spanischen Namen bezeichnet werden:

Kürzel Finger Typische Saiten
p Daumen Basssaiten E, A, D (Grundton des Akkords)
i Zeigefinger G-Saite
m Mittelfinger H-Saite
a Ringfinger hohe e-Saite

Die Grundregel: Der Daumen spielt den tiefsten Ton des Akkords, die drei Finger bleiben jeweils ihrer Saite treu. So muss die Hand kaum wandern. Ein erstes Muster für A-Moll, gespielt in der Reihenfolge p, i, m, a, m, i:

e|-------0-----------|
H|-----1---1---------|
G|---2-------2-------|
D|-------------------|
A|-0-----------------|
E|-------------------|

Wechselt der Akkord, wandert nur der Daumen auf die passende Basssaite: bei E-Moll auf die tiefe E-Saite, bei D-Dur auf die D-Saite, bei C-Dur auf die A-Saite. Wie man solche Tabs liest, erklärt der Ratgeber Tabs und Noten lesen.

Fingerpicking: wenn Daumen und Finger unabhängig werden

Beim Fingerpicking im engeren Sinn spielt der Daumen einen durchgehenden Wechselbass, meist im Viertelrhythmus zwischen zwei Basssaiten, während die Finger dazwischen Melodietöne setzen. Diese Unabhängigkeit fühlt sich anfangs an wie gleichzeitiges Kopfklopfen und Bauchreiben. Der Weg dorthin: erst den Daumen allein über Minuten gleichmäßig laufen lassen, dann einen einzigen Fingerton auf einer festen Zählzeit ergänzen und das Muster erst danach ausbauen.

Technik und erste Stücke erklärt der Artikel Fingerpicking lernen.

Mit dem Metronom üben

Das Metronom ist beim Rhythmus das ehrlichste Werkzeug. Stelle ein Tempo ein, bei dem Muster und Akkordwechsel fehlerfrei gelingen, auch wenn es sich quälend langsam anfühlt. Erst wenn ein Durchgang mehrmals hintereinander sauber klappt, wird das Tempo um wenige Schläge pro Minute erhöht. So wächst die Sicherheit mit dem Tempo, statt dass sich Fehler einschleifen. Eine Metronom-App auf dem Handy genügt völlig.

Eine hilfreiche Übung für den Wechsel: Spiele das Muster mit einem Akkord, lasse auf der letzten Achtel des Taktes die Greifhand los und setze den neuen Akkord genau auf die Eins. Dass dabei kurz die leeren Saiten klingen, ist normal und auch in vielen Aufnahmen zu hören.

Häufige Rhythmusfehler

  • Die Hand stoppt in Pausen. Lösung: immer weiterpendeln.
  • Zu viele Saiten bei jedem Schlag. Bei D-Dur etwa sollen nur die vier hohen Saiten klingen. Ziele beim Abschlag auf den Grundton des Akkords.
  • Verkrampfter Arm. Die Bewegung kommt aus dem Handgelenk, nicht aus der Schulter.
  • Aufschläge zu laut. Aufschläge treffen meist nur die hohen Saiten und dürfen leiser sein.
  • Tempo wird beim Wechsel langsamer. Lösung: Metronom und vorbereitete Akkordwechsel.

Welche Akkorde du für die ersten Muster brauchst, zeigt der Ratgeber Gitarrenakkorde lernen. Einen Plan, in dem Akkorde und Rhythmus Tag für Tag zusammenwachsen, findest du im Übungsplan für 30 Tage.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welches Schlagmuster sollte ich als Erstes lernen?
Zuerst vier gleichmäßige Abschläge pro Takt, danach Achtel mit Ab- und Aufschlag. Das klassische Muster Ab, Ab-Auf, Auf-Ab-Auf passt zu sehr vielen Pop- und Folksongs im Viervierteltakt und ist ein guter dritter Schritt.
Warum komme ich beim Schlagmuster immer aus dem Takt?
Meist stoppt die Schlaghand bei den Pausen. Lass die Hand ununterbrochen auf und ab pendeln und triff die Saiten nur an den vorgesehenen Stellen. Der Akkordwechsel darf den Rhythmus nicht unterbrechen, notfalls klingen kurz die leeren Saiten.
Mit Plektrum oder mit den Fingern anschlagen?
Auf der Westerngitarre und der E-Gitarre wird meist mit Plektrum geschlagen, auf der Konzertgitarre mit Daumen und Fingern. Beides ist richtig. Für Zupfmuster brauchst du in jedem Fall die Finger oder ein Daumenplektrum.
Wofür brauche ich ein Metronom?
Das Metronom zeigt dir ehrlich, ob du das Tempo hältst. Gerade beim Akkordwechsel neigt man dazu, unbewusst langsamer zu werden. Beginne bei einem Tempo, in dem alles gelingt, und steigere es schrittweise.

Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.