Akkorde

Akkordwechsel schneller machen: 7 Übungen, die wirklich helfen

Ankerfinger, Minutenwechsel, Luftgriffe und Metronom: sieben Übungen, mit denen der Wechsel zwischen zwei Akkorden nicht mehr den Rhythmus kostet.

Akkordwechsel werden schneller, wenn du nicht ganze Lieder wiederholst, sondern genau das eine Akkordpaar übst, das hakt. Die Finger müssen lernen, als Gruppe zu wandern und gleichzeitig zu landen. Mit den sieben Übungen unten reichen dafür zehn Minuten am Tag, viele Lernende spüren schon nach ein bis zwei Wochen einen deutlichen Unterschied.

Fast jeder Einsteiger kennt das Problem: Die Akkorde klingen einzeln sauber, aber im Lied entsteht vor jedem Wechsel eine Pause, und der Rhythmus bricht ab. Das liegt selten an fehlender Kraft. Meist setzen die Finger nacheinander auf statt gemeinsam, oder sie heben beim Wechsel unnötig weit ab. Die Griffbilder der Grundakkorde findest du im Ratgeber Gitarrenakkorde.

Warum Wechsel so schwer fallen

Beim Greifen eines einzelnen Akkords hast du Zeit, jeden Finger bewusst zu platzieren. Beim Wechsel im Lied bleibt dafür vielleicht ein halber Schlag. Das Gehirn muss den Griff also als Ganzes abrufen, wie ein Bild, nicht als Abfolge einzelner Finger. Genau dieses Umschalten vom Nacheinander zum Gleichzeitig trainieren die folgenden Übungen.

Drei Fehler bremsen besonders häufig:

  • Finger setzen einzeln auf: erst der Zeigefinger, dann der Mittelfinger, dann der Ringfinger. Jeder Finger kostet Zeit.
  • Finger heben zu hoch ab: Je weiter die Finger sich vom Griffbrett entfernen, desto länger ist der Rückweg.
  • Gemeinsame Finger werden gelöst: Ein Finger, der in beiden Akkorden an derselben Stelle liegt, wird trotzdem angehoben und neu gesetzt.

Übung 1: Ankerfinger finden

Viele Akkordpaare teilen sich einen oder mehrere Finger. Diese Finger bleiben beim Wechsel liegen und dienen als Anker, an dem sich die übrigen orientieren.

Wechsel Was gleich bleibt Was sich bewegt
A-Moll zu C-Dur Zeigefinger (H-Saite, 1. Bund) und Mittelfinger (D-Saite, 2. Bund) Ringfinger wandert von der G- auf die A-Saite, 3. Bund
E-Moll zu A-Moll Form von Mittel- und Ringfinger bleibt gleich beide rutschen als Paar eine Saite in Richtung hohe e-Saite, der Zeigefinger kommt dazu
D-Dur zu D-Moll Ringfinger (H-Saite, 3. Bund) Zeigefinger und Mittelfinger tauschen die Plätze zwischen G- und hoher e-Saite
G-Dur zu C-Dur Abstand von Mittel- und Ringfinger (mit der G-Variante, die unten beschrieben ist) beide wandern als Paar um eine Saite

Spiele den Wechsel zehnmal langsam und achte nur darauf, dass die Ankerfinger wirklich liegen bleiben. Lass den Druck kurz nach, aber hebe sie nicht an.

Übung 2: Der Minutenwechsel

Wähle zwei Akkorde, stelle einen Timer auf eine Minute und wechsle so oft wie möglich hin und her. Schlage jeden Akkord einmal an und zähle nur die Wechsel, nach denen der Akkord sauber klingt. Notiere die Zahl.

Diese Übung ist so wirksam, weil sie messbar ist. Wer am ersten Tag zwölf Wechsel schafft und eine Woche später dreißig, sieht schwarz auf weiß, dass sich etwas tut. Nimm dir pro Einheit zwei oder drei Akkordpaare vor, nicht mehr. Ein bewährter Einstieg sind E-Moll zu A-Moll, A-Moll zu C-Dur, C-Dur zu G-Dur und D-Dur zu A-Dur.

Übung 3: Luftgriff

Greife den Zielakkord, nimm die Hand einige Zentimeter vom Griffbrett weg und halte die Fingerform in der Luft. Setze dann alle Finger gleichzeitig wieder auf. Wiederhole das zehnmal pro Akkord.

Anschließend erweiterst du die Übung: Greife Akkord A, hebe die Hand ab, forme in der Luft Akkord B und setze ihn auf. Die Hand lernt so, den Griff schon zu bilden, bevor sie das Griffbrett berührt. Das ist genau die Bewegung, die im Lied gebraucht wird.

Übung 4: Leersaiten auf dem letzten Schlag

Ein Trick, den viele Begleitgitarristen ganz selbstverständlich nutzen: Auf dem letzten Achtel vor dem Wechsel lösen sie die Greifhand bereits und schlagen kurz die Leersaiten an. Die Hand gewinnt dadurch Zeit, der Rhythmus läuft weiter, und im Gesamtklang fällt der kurze Moment kaum auf.

Zähle laut „1 und 2 und 3 und 4 und“. Auf „4 und“ löst du die Finger und bewegst sie zum nächsten Akkord, der pünktlich auf der nächsten „1“ steht. Später verkürzt du die Lücke, bis der Wechsel nahtlos wird.

Übung 5: Wechsel mit Metronom

Stelle das Metronom so langsam ein, dass dir der Wechsel mühelos gelingt, zum Beispiel auf 60 Schläge pro Minute. Spiele vier Abschläge pro Akkord, dann zwei, dann einen. Der neue Akkord kommt immer genau auf dem Klick.

Takt:   | 1 2 3 4 | 1 2 3 4 | 1 2 3 4 | 1 2 3 4 |
Akkord: | Am      | C       | Am      | C       |
Takt:   | 1 2 3 4 | 1 2 3 4 | 1 2 3 4 | 1 2 3 4 |
Akkord: | Am  C   | Am  C   | Am  C   | Am  C   |

Wenn die Folge dreimal hintereinander sauber gelingt, erhöhst du das Tempo um ein paar Schläge. Wenn sie zerfällt, gehst du einen Schritt zurück. Wie du generell mit Metronom übst und das Tempo steigerst, erklärt der Artikel Metronom üben.

Übung 6: Blind wechseln

Sobald ein Wechsel mit Blick auf die Hand klappt, schau bewusst weg: auf die Wand, auf ein Akkordblatt oder mit geschlossenen Augen. Anfangs landen die Finger daneben. Prüfe dann, ohne nachzusehen, welcher Finger falsch liegt, und korrigiere ihn über das Gefühl.

Diese Übung trainiert das Lagegefühl der Hand. Sie ist besonders hilfreich, wenn du später singen, vom Blatt spielen oder mit anderen musizieren willst und den Blick nicht mehr auf dem Griffbrett haben kannst.

Übung 7: Akkordkette im Lied

Erst wenn die Paare einzeln laufen, verbindest du sie zu einer Kette, wie sie in vielen Liedern vorkommt. Klassische Folgen sind G, C, D oder C, A-Moll, F, G. Spiele die Kette zuerst mit einem Abschlag pro Akkord, dann mit vier gleichmäßigen Abschlägen und zuletzt mit einem einfachen Schlagmuster.

Tauchen in der Kette Wechsel auf, die immer noch haken, wanderst du zurück zu Übung 2 und nimmst dir genau dieses Paar vor. So entsteht ein Kreislauf: Kette spielen, Schwachstelle finden, Paar isoliert üben, wieder in die Kette einbauen. Lieder mit wenigen Akkorden, die sich dafür eignen, findest du im Übungsplan.

Ein Wochenplan für zehn Minuten am Tag

Tag Übungen Ziel
Montag Ankerfinger (2 Min.), Minutenwechsel mit zwei Paaren (4 Min.), Metronom (4 Min.) Ausgangswerte notieren
Dienstag Luftgriff (3 Min.), Minutenwechsel (3 Min.), Leersaiten-Trick (4 Min.) Hand formt Griffe früher
Mittwoch Minutenwechsel (3 Min.), Metronom mit zwei Abschlägen pro Akkord (7 Min.) Wechsel auf jedem zweiten Schlag
Donnerstag Blind wechseln (4 Min.), Minutenwechsel (3 Min.), Akkordkette (3 Min.) Griff ohne Hinsehen
Freitag Akkordkette mit Schlagmuster (7 Min.), Minutenwechsel (3 Min.) Wechsel im Lied
Wochenende ein Lied mit den geübten Akkorden, Aufnahme mit dem Handy Fortschritt hören

Die Zeiten sind Vorschläge. Wichtiger als die genaue Verteilung ist, dass du jeden Tag kurz übst und die Minutenwerte festhältst. Ein Vergleich nach zwei Wochen zeigt dir meist deutlicher als jedes Gefühl, wie viel schneller deine Hand geworden ist.

Wenn ein Wechsel einfach nicht klappt

Manche Wechsel bleiben hartnäckig, vor allem C-Dur zu G-Dur. Hier hilft oft ein anderer Fingersatz. Greifst du G-Dur mit Mittelfinger, Zeigefinger und Ringfinger, wandert die ganze Hand beim Wechsel nach C. Mit der Variante aus Ringfinger auf der tiefen E-Saite, Mittelfinger auf der A-Saite und kleinem Finger auf der hohen e-Saite bilden Mittel- und Ringfinger bereits die Form, die sie in C-Dur brauchen: Beide rutschen als Paar um eine Saite weiter, nur der Zeigefinger kommt neu dazu. Der Wechsel wird dadurch deutlich kürzer.

Prüfe außerdem die Gitarre selbst. Eine zu hohe Saitenlage zwingt dich, für jeden Griff viel Druck aufzubauen, und das verlangsamt jeden Wechsel. Wenn auch nach Wochen jeder Akkord Kraft kostet, lohnt sich ein Blick in eine Gitarrenwerkstatt.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie lange dauert es, bis Akkordwechsel flüssig sind?
Einfache Wechsel wie E-Moll zu A-Moll gelingen vielen schon nach einigen Tagen regelmäßigen Übens. Wechsel mit größeren Fingerwegen wie C-Dur zu G-Dur brauchen meist mehrere Wochen. Entscheidend ist, dass du das schwierige Paar täglich kurz übst statt nur ganze Lieder durchzuspielen.
Soll ich beim Wechseln auf die Hand schauen?
Am Anfang ja, damit du die Fingerwege kennenlernst. Sobald der Griff sitzt, lohnt es sich, den Blick bewusst wegzunehmen oder die Augen zu schließen. So lernt die Hand, den Griff über das Gefühl zu finden, und du kannst später auf Akkordblatt oder Mitspieler achten.
Ist es schlimm, wenn der Akkord beim Wechsel kurz nicht klingt?
Nein. Auch erfahrene Gitarristen lassen beim Wechsel oft für einen kurzen Moment die Leersaiten klingen. Wichtiger als ein perfekter Übergang ist, dass der nächste Akkord pünktlich auf dem Schlag kommt. Der Rhythmus hat Vorrang vor dem lückenlosen Klang.
Wie schnell sollte ich das Metronom einstellen?
So langsam, dass der Wechsel fehlerfrei gelingt, auch wenn es sich ungewohnt träge anfühlt. Erhöhe das Tempo erst, wenn du den Wechsel mehrmals hintereinander sauber spielst, und dann nur um wenige Schläge pro Minute.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.