Themenbereich

Tabs und Noten lesen: Gitarrennotation einfach erklärt

Tabulatur, Akkordsymbole und Notenschrift im Vergleich: wie du jede Form liest, welche Zeichen es gibt und wann sich Noten lohnen.

Gitarristen haben drei Arten, Musik aufzuschreiben: Akkordsymbole über dem Liedtext, die Tabulatur und die klassische Notenschrift. Jede hat ihre Stärken. Wer Lieder begleiten will, kommt mit Akkordsymbolen weit, wer Riffs und Soli nachspielen will, greift zu Tabs, und wer klassisch spielt oder mit anderen Musikern zusammenarbeitet, profitiert von Noten. Diese Seite erklärt alle drei so, dass du sie direkt anwenden kannst.

Akkordsymbole: die einfachste Form

In Liederbüchern und auf vielen Songseiten stehen die Akkorde einfach als Buchstaben über dem Text. Der Akkord wird an der Silbe gewechselt, über der er steht:

Am                 C
Erste Textzeile des Liedes
G                  Em
Zweite Textzeile des Liedes

Wie lange ein Akkord klingt und welches Schlagmuster passt, steht hier nicht. Das ergibt sich aus dem Anhören des Liedes und aus dem Taktgefühl. Die Griffe zu den gängigen Symbolen findest du im Ratgeber Gitarrenakkorde lernen, passende Rhythmen unter Schlagmuster und Zupfmuster.

So funktioniert eine Tabulatur

Eine Tabulatur besteht aus sechs waagerechten Linien, eine für jede Saite. Die oberste Linie ist die hohe e-Saite, die unterste die tiefe E-Saite. Zahlen auf einer Linie geben den Bund an, in dem du die Saite greifst. Eine 0 bedeutet, die Saite leer anzuschlagen. Gelesen wird von links nach rechts, Zahlen, die genau übereinander stehen, werden gleichzeitig gespielt.

Ein einfaches Beispiel: zuerst ein einzelner Ton, dann ein E-Moll-Akkord, bei dem mehrere Saiten zusammen klingen.

e|---------0---|
H|---------0---|
G|---------0---|
D|---------2---|
A|---------2---|
E|---3-----0---|

Der erste Ton ist die tiefe E-Saite im dritten Bund, also ein G. Danach folgt der Akkord, bei dem alle Zahlen untereinander stehen. Viele Anfänger lesen Tabs anfangs falsch herum, weil die tiefe Saite beim Blick auf die eigene Gitarre oben liegt. Die Saitennamen am Zeilenanfang helfen bei der Orientierung.

Die wichtigsten Spielzeichen in Tabs

Alle Zeichen mit Beispielen sammelt der Artikel Tabs lesen lernen.

Neben Zahlen enthalten Tabs Zeichen für Spieltechniken. Die Schreibweise unterscheidet sich je nach Quelle leicht, die folgenden sind am weitesten verbreitet:

Zeichen Bedeutung So wird es gespielt
h Hammer-on Ton anschlagen, zweiten Ton durch kräftiges Aufsetzen eines Fingers erzeugen
p Pull-off Finger von der Saite abziehen, sodass der tiefere Ton erklingt
/ Slide aufwärts Finger auf der Saite zum höheren Bund gleiten lassen
\ Slide abwärts Finger auf der Saite zum tieferen Bund gleiten lassen
b Bending Saite seitlich ziehen, bis der Ton höher klingt
r Release gezogene Saite zurück in die Ausgangslage führen
~ Vibrato Ton durch leichte Bewegung des Fingers schwingen lassen
x Dead Note Saite gedämpft anschlagen, ohne klaren Ton
PM Palm Mute Saiten mit der Handkante am Steg abdämpfen

So sieht das in der Praxis aus: ein Hammer-on vom fünften zum siebten Bund, ein Pull-off zurück und ein Slide.

G|---5h7p5-----5/7---|

Deine erste Tonleiter als Tab

Griffbild und Übungen zur ersten Tonleiter stehen im Artikel Pentatonik auf der Gitarre.

Ein guter erster Schritt vom Akkordspiel zur Melodie ist die Pentatonik, eine Tonleiter aus fünf Tönen. Die A-Moll-Pentatonik im fünften Bund ist die Grundlage unzähliger Rock- und Bluessoli. Gespielt wird mit Zeigefinger im fünften und Ring- oder kleinem Finger im siebten und achten Bund:

e|-----------------------------5-8-|
H|-------------------------5-8-----|
G|-------------------5-7-----------|
D|-------------5-7-----------------|
A|-------5-7-----------------------|
E|-5-8-----------------------------|

Spiele sie langsam aufwärts und wieder abwärts, mit Metronom und gleichmäßigem Wechselschlag. Wenn sie sitzt, probiere Hammer-ons innerhalb einer Saite.

Grundlagen der Notenschrift

Noten zeigen zwei Dinge, die Tabs oft fehlen: die genaue Tonhöhe unabhängig vom Instrument und die Dauer jedes Tons. Gitarrenmusik wird im Violinschlüssel notiert. Dabei klingt die Gitarre eine Oktave tiefer, als die Noten auf dem Papier stehen. Das wird oft durch eine kleine 8 unter dem Notenschlüssel angezeigt.

Die Notenwerte bestimmen den Rhythmus: Eine ganze Note dauert im Viervierteltakt einen ganzen Takt, eine halbe Note zwei Schläge, eine Viertelnote einen Schlag, eine Achtelnote einen halben Schlag. Pausen haben eigene Zeichen mit denselben Längen.

Eine Besonderheit im Deutschen: Die Stammtöne heißen C, D, E, F, G, A und H. Das englische B entspricht unserem H. Unser B dagegen ist das um einen Halbton erniedrigte H, im Englischen B flat. Wer mit internationalen Tabs, Apps oder Akkordtabellen arbeitet, sollte diesen Unterschied im Kopf haben. Ein Akkord, der dort B heißt, ist bei uns H-Dur.

Tabs, Noten oder beides?

Für die meisten Hobbygitarristen in Pop, Rock und Liedbegleitung sind Akkordsymbole und Tabs der schnellste Weg zu eigenen Liedern. Den Rhythmus holt man sich durch Zuhören. Wer klassische Gitarre lernt, kommt um Noten kaum herum, weil die Literatur fast ausschließlich in Notenschrift vorliegt. Viele gedruckte Songbooks und Lernprogramme zeigen deshalb beides übereinander: oben die Noten mit Rhythmus, darunter die Tabulatur mit den Griffpositionen.

Ein sinnvoller Weg: zuerst sicher Tabs lesen, dann nach und nach Notenwerte und Rhythmus lernen. Beides lässt sich gut in einen festen Übungsplan einbauen, zum Beispiel mit fünf Minuten Notation pro Einheit.

Die häufigsten Fehler beim Tab-Lesen

  • Saiten verwechselt: Die unterste Linie ist die tiefe E-Saite, nicht die oberste.
  • Zahl als Finger gelesen: Die Zahl nennt den Bund, nicht den Finger.
  • Zweistellige Zahlen getrennt: Eine 12 ist der zwölfte Bund, nicht Bund 1 und dann Bund 2.
  • Rhythmus geraten: Bei Text-Tabs immer das Original mithören.
Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Was ist der Unterschied zwischen Tabs und Noten?
Tabs zeigen, wo auf dem Griffbrett ein Ton gegriffen wird, Noten zeigen, welcher Ton erklingt und wie lang er dauert. Tabs sind speziell für Gitarre und Bass gemacht und schneller zu lernen, Noten sind universell und enthalten den Rhythmus.
Welche Linie ist in Tabs die tiefe E-Saite?
Die unterste. Tabs bilden die Saiten so ab, dass die hohe e-Saite oben und die tiefe E-Saite unten steht. Viele Tabs schreiben die Saitennamen zur Orientierung an den Zeilenanfang.
Muss ich Noten lesen können, um Gitarre zu spielen?
Für Liedbegleitung, Pop und Rock nicht unbedingt, hier reichen Akkordsymbole und Tabs. Für klassische Gitarre, Jazz und das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten sind Notenkenntnisse dagegen sehr hilfreich.
Wie erkenne ich in Tabs den Rhythmus?
Einfache Text-Tabs zeigen ihn meist nicht oder nur grob über die Abstände zwischen den Zahlen. Professionelle Tabs kombinieren die Tabulatur mit Notenhälsen oder einer Notenzeile darüber. Am einfachsten ist es, das Original anzuhören und mitzulesen.

Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.