Themenbereich

Gitarre stimmen: Standardstimmung, Stimmgerät und Gehör

Standardstimmung, Stimmgeräte und Apps, die Bundmethode nach Gehör, alternative Stimmungen wie Drop D und was der Kapodaster mit Tonarten macht.

Stimmen mit dem Stimmgerät in fünf Schritten

  1. Stimmgerät einschalten

    Clip-Stimmgerät an die Kopfplatte klemmen oder Stimm-App öffnen. In ruhiger Umgebung arbeiten, damit das Mikrofon nur die Gitarre hört.

  2. Tiefe E-Saite anschlagen

    Einzeln und kräftig anschlagen, dann die Anzeige abwarten. Sie nennt den erkannten Ton und ob er zu hoch oder zu tief liegt.

  3. Von unten an den Ton heran

    Liegt der Ton zu hoch, die Saite erst etwas unter den Zielton entspannen und dann hochstimmen. So hält die Stimmung besser.

  4. Saite für Saite

    A, D, G, H und hohe e-Saite nacheinander genauso stimmen. Die Mechaniken nur in kleinen Schritten drehen.

  5. Zweiter Durchgang

    Weil sich die Zugkraft am Hals verteilt, verschieben sich die ersten Saiten oft leicht. Ein zweiter, kurzer Durchgang korrigiert das.

Eine verstimmte Gitarre klingt auch dann falsch, wenn jeder Akkord perfekt gegriffen ist. Gerade Anfänger zweifeln dann an sich statt am Instrument. Stimmen gehört deshalb an den Anfang jeder Übungseinheit und dauert mit etwas Routine kaum eine Minute. Diese Seite erklärt die Standardstimmung, die verschiedenen Stimmgeräte, das Stimmen nach Gehör und die wichtigsten alternativen Stimmungen.

Die Standardstimmung

Die sechs Saiten der Gitarre werden in der Standardstimmung von der tiefsten zur höchsten auf diese Töne gestimmt:

Saite Ton Frequenz (ungefähr) Eselsbrücke
6 (dickste) E 82 Hz Eine
5 A 110 Hz Alte
4 D 147 Hz Dame
3 G 196 Hz Geht
2 H 247 Hz Heute
1 (dünnste) e 330 Hz Einkaufen

Die Frequenzen beziehen sich auf den üblichen Kammerton a mit 440 Hz. Sie sind für das Stimmen selbst nicht nötig, zeigen aber, warum die Saiten so unterschiedlich dick sind. Beachte die Besonderheit der deutschen Tonnamen: Was im Englischen B heißt, ist bei uns das H. Das deutsche B ist einen Halbton tiefer. Wer englischsprachige Songbooks oder Apps nutzt, liest also E, A, D, G, B, E.

Die Nummerierung der Saiten beginnt übrigens bei der dünnsten: Die hohe e-Saite ist die erste, die tiefe E-Saite die sechste. In Tabs steht die hohe e-Saite oben, also genau umgekehrt zu dem, was du beim Blick von oben auf die Gitarre siehst, wie der Ratgeber Tabs und Noten lesen erklärt.

Welches Stimmgerät passt?

Clip-Stimmgerät: wird an die Kopfplatte geklemmt und nimmt die Schwingung über das Holz ab. Funktioniert unabhängig von Umgebungslärm und passt an jede Gitarre. Für die meisten Anfänger die praktischste Lösung.

Stimm-App: nutzt das Mikrofon von Smartphone oder Tablet. Zu Hause in ruhiger Umgebung meist ausreichend genau, in lauten Räumen oder in der Gruppe dagegen unzuverlässig.

Pedal- oder Einsteck-Stimmgerät: für E-Gitarren und elektroakustische Gitarren. Das Signal kommt direkt über das Kabel, das Stimmen ist auch auf der Bühne lautlos möglich.

Die meisten Geräte arbeiten chromatisch: Sie erkennen jeden Ton und zeigen ihn an. Achte darauf, dass das Gerät den richtigen Ton anzeigt, bevor du feinstimmst. Ist die A-Saite stark verstimmt, erkennt das Gerät eventuell ein Gis oder B, und du stimmst auf den falschen Ton.

Gitarre nach Gehör stimmen

Bundmethode und Flageolett im Detail erklärt der Artikel Gitarre stimmen ohne Stimmgerät.

Ohne Stimmgerät lässt sich die Gitarre in sich stimmen. Sie ist dann zwar nicht unbedingt auf die exakte Tonhöhe gestimmt, klingt aber mit sich selbst richtig, was für das Spielen allein genügt. Grundlage ist die sogenannte Bundmethode:

  1. Die tiefe E-Saite gilt als Referenz. Wenn möglich, nimm einen Bezugston, etwa von einem Klavier oder einer Stimmgabel.
  2. Greife die tiefe E-Saite im fünften Bund. Dieser Ton ist ein A und muss genauso klingen wie die leere A-Saite.
  3. Greife die A-Saite im fünften Bund und stimme danach die leere D-Saite.
  4. Greife die D-Saite im fünften Bund und stimme danach die leere G-Saite.
  5. Ausnahme: Für die H-Saite greifst du die G-Saite im vierten Bund.
  6. Greife die H-Saite im fünften Bund und stimme danach die hohe e-Saite.

Wenn zwei fast gleiche Töne zusammenklingen, hörst du eine Schwebung, ein leichtes Wabern im Klang. Je langsamer dieses Wabern wird, desto näher liegen die Töne beieinander. Verschwindet es ganz, ist die Saite gestimmt. Das Gehör für diese Feinheiten wächst mit der Übung.

Warum sich Gitarren verstimmen

Neue Saiten dehnen sich in den ersten Tagen und müssen häufig nachgestimmt werden. Holz reagiert auf Temperatur und Luftfeuchtigkeit: Eine Gitarre, die aus dem kalten Auto in die warme Wohnung kommt, ist fast immer verstimmt. Auch die Art, wie die Saite an der Mechanik aufgewickelt ist, spielt eine Rolle. Zu wenige oder ungeordnete Wicklungen rutschen leichter nach. Tipps zum Saitenwechsel und zur Pflege findest du im Ratgeber Gitarrenzubehör.

Alternative Stimmungen

Neben der Standardstimmung gibt es zahlreiche andere Stimmungen, die bestimmte Stile oder Klangfarben möglich machen:

Stimmung Töne (tief nach hoch) Typischer Einsatz
Drop D D, A, D, G, H, E Rock, Metal, Folk in D, Powerchords mit einem Finger
Open G D, G, D, G, H, D Blues, Slide, Rock mit offenen Akkorden
Open D D, A, D, Fis, A, D Slide, Folk, Fingerstyle
DADGAD D, A, D, G, A, D Keltische Musik, Fingerstyle
Halbton tiefer Es, As, Des, Ges, B, Es Rock und Blues, entlastet die Stimme

Für Anfänger ist Drop D der einfachste Einstieg: Nur eine Saite wird verändert, und alle Akkordgriffe, die die tiefe E-Saite nicht nutzen, bleiben gleich. Offene Stimmungen ergeben ohne gegriffene Saiten bereits einen Akkord. Sie sind spannend, verlangen aber neue Griffbilder.

Der Kapodaster: Tonart verschieben ohne neue Griffe

Eine Tabelle von Bund zu Tonart enthält der Artikel Kapodaster richtig benutzen.

Ein Kapodaster ist eine Klemme, die quer über alle Saiten in einem Bund gesetzt wird. Er wirkt wie ein verschobener Sattel und erhöht jede Saite um so viele Halbtöne, wie er Bünde vom Sattel entfernt sitzt. Griffe bleiben gleich, der Klang wird höher.

Das ist praktisch, wenn ein Lied zu tief für die eigene Stimme ist oder schwierige Akkorde enthält. Ein Beispiel: Steht ein Song in A-Dur, kannst du den Kapodaster in den zweiten Bund setzen und die Griffe aus G-Dur spielen. Der G-Griff klingt dann als A, der C-Griff als D und der D-Griff als E. Wichtig ist, den Kapodaster dicht hinter das Bundstäbchen zu setzen und die Gitarre danach kurz nachzustimmen, weil der Druck die Saiten leicht verziehen kann.

Mit gestimmter Gitarre geht es weiter zu den Gitarrenakkorden und den ersten Schlagmustern.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie heißen die Saiten der Gitarre?
Von der tiefsten zur höchsten Saite: E, A, D, G, H, E. Die tiefe Saite wird oft großgeschrieben, die hohe kleingeschrieben (e). Im Englischen heißt das H einfach B. Eine Eselsbrücke ist der Satz Eine Alte Dame Geht Heute Einkaufen.
Warum verstimmt sich meine Gitarre ständig?
Häufigste Ursache sind neue Saiten, die sich in den ersten Tagen noch dehnen. Auch Temperatur- und Feuchtigkeitswechsel, schlecht gewickelte Saiten an der Mechanik oder ausgeschlagene Mechaniken lassen die Stimmung wandern. Neue Saiten nach dem Aufziehen vorsichtig dehnen und mehrmals nachstimmen.
Ist ein Stimmgerät besser als eine App?
Clip-Stimmgeräte nehmen die Schwingung direkt über die Kopfplatte ab und funktionieren deshalb auch in lauter Umgebung. Apps nutzen das Mikrofon des Handys und sind zu Hause meist völlig ausreichend. Für die E-Gitarre gibt es zusätzlich Stimmgeräte zum Einstecken oder als Effektpedal.
Was bedeutet Drop D?
Bei Drop D wird nur die tiefe E-Saite um einen Ganzton auf D heruntergestimmt. Powerchords lassen sich dann mit einem einzigen Finger greifen, und Stücke in D-Dur oder D-Moll bekommen einen tiefen, vollen Bass.

Zuletzt überarbeitet am 27. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.