Kapodaster richtig benutzen: Tonarten einfach wechseln
Richtig aufsetzen, Tonart berechnen, Barré umgehen: wie der Kapodaster funktioniert und welche Griffe in welchem Bund welche Tonart ergeben.
Ein Kapodaster verschiebt die Tonart, ohne dass du neue Griffe lernen musst. Du klemmst ihn quer über alle Saiten direkt hinter ein Bundstäbchen, und jede Saite klingt dann um so viele Halbtöne höher, wie der Kapodaster Bünde vom Sattel entfernt sitzt. Die gewohnten Griffe bleiben, nur der Klang wird höher. Mit G-Griffen und Kapodaster im 2. Bund spielst du zum Beispiel in A-Dur.
Damit löst der Kapodaster zwei typische Probleme von Einsteigern: Lieder liegen zu tief oder zu hoch für die eigene Stimme, und manche Lieder stehen in Tonarten voller Barré-Griffe. Eine Kurzfassung der Funktion steht im Ratgeber Gitarre stimmen, hier geht es um die Praxis.
Den Kapodaster richtig aufsetzen
- Position: Setze den Kapodaster dicht hinter das Bundstäbchen, also auf der Seite zur Kopfplatte hin, nicht in die Mitte des Bundes und nicht auf das Bundstäbchen selbst.
- Gerade ausrichten: Er sollte parallel zum Bundstäbchen liegen. Schräg aufgesetzt drückt er die Saiten ungleichmäßig.
- Druck prüfen: Gerade so fest, dass keine Saite schnarrt. Zu viel Druck zieht die Saiten zur Seite und lässt sie höher klingen.
- Saiten einzeln anschlagen: Jede Saite muss klar klingen. Schnarrt eine, sitzt der Kapodaster zu weit vom Bundstäbchen weg oder drückt ungleichmäßig.
- Nachstimmen: Nach dem Aufsetzen kurz mit dem Stimmgerät kontrollieren, das Gerät zeigt jetzt die höheren Töne an. Wer es genau nimmt, stimmt die Gitarre vorher ohne Kapodaster und korrigiert danach nur minimal.
Beim Abnehmen den Kapodaster nicht über die Saiten ziehen, sondern öffnen und nach hinten wegnehmen. So bleiben Saiten und Griffbrett unbeschädigt.
So berechnest du die Tonart
Jeder Bund entspricht einem Halbton. Die zwölf Töne in deutscher Schreibweise lauten aufsteigend:
C, Cis, D, Dis, E, F, Fis, G, Gis, A, B, H, (wieder) C
Die erhöhten Töne heißen je nach Tonart auch anders, Cis ist zum Beispiel dasselbe wie Des, Dis dasselbe wie Es, Gis dasselbe wie As. Das deutsche B entspricht dem englischen Bb, das deutsche H dem englischen B.
Zum Berechnen zählst du von der Tonart deiner Griffe so viele Schritte in dieser Reihe weiter, wie der Kapodaster Bünde hat. G-Griffe mit Kapodaster im 3. Bund: G, Gis, A, B. Das Lied klingt also in B-Dur.
Tabelle: Kapo-Bund und klingende Tonart
| Griffe in | Kapo 1 | Kapo 2 | Kapo 3 | Kapo 4 | Kapo 5 | Kapo 7 |
|---|---|---|---|---|---|---|
| C | Cis/Des | D | Dis/Es | E | F | G |
| D | Dis/Es | E | F | Fis | G | A |
| E | F | Fis | G | Gis/As | A | H |
| G | Gis/As | A | B | H | C | D |
| A | B | H | C | Cis/Des | D | E |
| A-Moll | B-Moll | H-Moll | C-Moll | Cis-Moll | D-Moll | E-Moll |
| E-Moll | F-Moll | Fis-Moll | G-Moll | Gis-Moll | A-Moll | H-Moll |
Die Tabelle lässt sich in beide Richtungen lesen. Du suchst die Tonart, in der ein Lied klingen soll, und findest daneben, mit welchen Griffen und in welchem Bund du sie erreichst. Für ein Lied in Es-Dur zum Beispiel: C-Griffe mit Kapo 3 oder D-Griffe mit Kapo 1.
Ab dem 7. Bund wird es eng auf dem Griffbrett, und der Klang wird heller und dünner. Für die meisten Lieder reichen die Bünde 1 bis 5.
Akkorde umrechnen: ein Beispiel
Angenommen, ein Lied steht in F-Dur mit den Akkorden F, B, C und D-Moll. F und B sind für Anfänger Barré-Griffe. Mit Kapodaster im 5. Bund spielst du stattdessen C-Griffe:
| Klingender Akkord | Griff mit Kapo 5 |
|---|---|
| F | C |
| B | F (Barré, siehe unten) |
| C | G |
| D-Moll | A-Moll |
Hier taucht ein F-Griff auf, also eine neue Hürde. Probiere deshalb eine andere Lage: Mit Kapodaster im 3. Bund und D-Griffen wird aus F ein D, aus B ein G, aus C ein A und aus D-Moll ein H-Moll. H-Moll ist wieder ein Barré-Griff. Mit Kapodaster im 1. Bund und E-Griffen wird aus F ein E und aus B ein A, aus C aber ein H-Dur und aus D-Moll ein Cis-Moll, beides Barré-Griffe. Kapo 3 und Kapo 5 kommen also mit je einem schwierigen Griff aus. Weil sich F-Dur ohne Barré gut vereinfachen lässt, ist Kapo 5 für viele Einsteiger die bequemere Wahl.
Das Beispiel zeigt: Nicht jede Tonart lässt sich komplett ohne Barré spielen. Probiere zwei oder drei Lagen aus und nimm die, in der die wenigsten schwierigen Griffe vorkommen. Wie man F-Dur und ähnliche Griffe vereinfacht, zeigt der Artikel F-Dur ohne Barré.
Lieder an die eigene Stimme anpassen
Der häufigste Grund für den Kapodaster ist die Stimme. Ein Lied, das in der Originaltonart zu tief liegt, klingt mit Kapodaster höher, ohne dass du die Griffe ändern musst. So findest du die passende Lage:
- Spiele das Lied ohne Kapodaster und singe die Melodie mit.
- Liegen die tiefen Stellen zu tief, setze den Kapodaster in den 2. Bund und probiere es erneut.
- Rücke Bund für Bund weiter, bis tiefe und hohe Stellen bequem erreichbar sind.
- Notiere dir im Liederbuch den Bund, etwa „Kapo 3“, damit du die Lage nicht jedes Mal neu suchen musst.
Liegt das Lied dagegen zu hoch, hilft der Kapodaster nur indirekt: Du wählst eine tiefere Grifftonart und setzt den Kapodaster so, dass die gewünschte Tonhöhe herauskommt. Die Tabelle oben zeigt, welche Kombination passt.
Klangfarbe und zweite Gitarre
Der Kapodaster ist nicht nur ein Hilfsmittel für Einsteiger. Spielen zwei Gitarren dasselbe Lied, greift oft eine die Akkorde ohne Kapodaster und die andere mit Kapodaster weiter oben in einer anderen Grifftonart. Beide klingen in derselben Tonart, aber die zweite Gitarre liefert hellere, offene Klänge, die sich gut vom ersten Instrument absetzen.
Was der Kapodaster nicht kann
Der Kapodaster kann eine Tonart nur nach oben verschieben, nie nach unten. Liegt ein Lied mit den gewohnten Griffen bereits zu hoch, hilft er nur, wenn du gleichzeitig auf eine tiefere Grifftonart ausweichst. Alternativ lässt sich die ganze Gitarre tiefer stimmen, etwa einen Halbton, was aber für Einsteiger umständlicher ist.
Außerdem verkürzt der Kapodaster die schwingende Saitenlänge. Je höher er sitzt, desto enger liegen die Bünde beieinander und desto heller und dünner wird der Klang. Akkorde, die du mit Kapodaster im 7. Bund spielst, klingen deshalb anders als dieselbe Tonart mit Griffen ohne Kapodaster. Das kann gewollt sein, etwa für eine helle zweite Gitarre, ist für die Liedbegleitung aber nicht immer ideal.
Und schließlich ersetzt der Kapodaster keine Technik. Er umgeht Barré-Griffe in vielen Liedern, aber nicht in allen. Auf Dauer lohnt es sich, beides zu können: Barré für Flexibilität auf dem ganzen Griffbrett, Kapodaster für Stimme und Klangfarbe.
Welcher Kapodaster für welche Gitarre?
| Bauart | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Federklemme | schnell versetzt, einhändig bedienbar | Druck nicht einstellbar |
| Schraub- oder Stellkapodaster | Druck fein einstellbar, sehr stimmstabil | Umsetzen dauert etwas länger |
| Gummiband- oder Elastik-Kapodaster | leicht, günstig | weniger gleichmäßiger Druck, Gummi altert |
| Teilkapodaster | deckt nur einige Saiten ab, neue Klangfarben | eher etwas für Fortgeschrittene |
Achte vor allem auf die Form des Griffbretts. Konzertgitarren haben ein flaches, breites Griffbrett, Western- und E-Gitarren ein leicht gewölbtes. Ein Kapodaster für das falsche Griffbrett drückt in der Mitte zu stark oder an den Rändern zu schwach. Mehr zu Auswahl und Grundausstattung findest du im Ratgeber Gitarrenzubehör.
Häufige Fehler
- Zu weit vom Bundstäbchen weg: Saiten schnarren, der Druck muss steigen, die Stimmung leidet.
- Zu fest geklemmt: Saiten werden zur Seite gezogen und klingen zu hoch.
- Kapodaster dauerhaft auf der Gitarre lassen: Die Klemme drückt auf Hals und Saiten. Nach dem Spielen abnehmen und neben die Gitarre legen.
- Akkordnamen verwechseln: In Liederbüchern stehen manchmal die klingenden Akkorde, manchmal die Griffe. Achte auf Hinweise wie „Kapo 2, Griffe in G“.
Fragen und Antworten
- In welchen Bund setze ich den Kapodaster?
- Zähle, wie viele Halbtöne die gewünschte Tonart über der Tonart deiner Griffe liegt. So viele Bünde rückt der Kapodaster vom Sattel weg. Für A-Dur mit G-Griffen sind es zwei Halbtöne, also 2. Bund. Die Tabelle in diesem Artikel nimmt dir das Rechnen ab.
- Warum ist meine Gitarre mit Kapodaster verstimmt?
- Meist drückt der Kapodaster zu stark oder sitzt zu weit vom Bundstäbchen entfernt und zieht die Saiten dabei leicht zur Seite. Setze ihn dicht hinter das Bundstäbchen, stelle bei verstellbaren Modellen den Druck nur so fest wie nötig ein und stimme danach kurz nach.
- Ist ein Kapodaster Schummeln?
- Nein. Der Kapodaster ist ein ganz normales Werkzeug, das auch Profis verwenden, um Lieder an Sängerinnen und Sänger anzupassen oder bestimmte Klangfarben mit offenen Saiten in höheren Lagen zu erreichen. Barré-Griffe solltest du trotzdem lernen, weil sie dir zusätzliche Möglichkeiten geben.
- Passt jeder Kapodaster auf jede Gitarre?
- Nicht unbedingt. Konzertgitarren haben ein breites, flaches Griffbrett, Western- und E-Gitarren ein schmaleres, leicht gewölbtes. Es gibt Modelle für beide Formen. Ein unpassender Kapodaster drückt ungleichmäßig, und einzelne Saiten schnarren.
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Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.