Übungsplan

Einfache Gitarrenlieder für Anfänger mit 3 Akkorden

Drei Griffe, viele Lieder: welche Akkordfamilien Einsteigern am leichtesten fallen, welche traditionellen Lieder damit auskommen und wie du sie Schritt für Schritt übst.

Mit drei Akkorden kannst du erstaunlich viele Lieder begleiten. Der Grund ist einfach: Die meisten traditionellen Lieder bauen auf denselben drei Funktionen auf, der Tonika als Heimat, der Subdominante als Aufbruch und der Dominante als Spannung, die zurück nach Hause will. Wer eine solche Familie greifen kann, etwa G, C und D, hat damit ein ganzes Liederbuch offen. Die Liste unten nennt traditionelle Lieder mit Akkordfolge, die Liedtexte findest du in jedem Volksliederbuch.

Warum drei Akkorde reichen

Jede Durtonart hat drei Hauptakkorde. Die Tonika ist der Ruhepunkt, auf dem ein Lied meist beginnt und fast immer endet. Die Dominante liegt eine Quinte darüber und erzeugt Spannung, sie klingt wie ein Fragezeichen, das nach Auflösung verlangt. Die Subdominante liegt eine Quinte unter der Tonika und öffnet den Klang, sie wirkt wie ein Schritt nach draußen. Aus diesen drei Rollen lassen sich alle Töne einer Durtonleiter harmonisieren, und deshalb genügen sie für viele einfache Melodien.

Für dich bedeutet das: Du lernst nicht einzelne Lieder, sondern ein System. Wer G, C und D beherrscht, hat die Werkzeuge für jedes Lied, das in G-Dur mit diesen drei Funktionen auskommt. Mehr zur Ordnung der Tonarten erklärt der Artikel Quintenzirkel für Gitarristen.

Die besten Akkordfamilien für Anfänger

Tonart Tonika Subdominante Dominante Schwierigkeit
G-Dur G C D oder D7 leicht, alle offen
C-Dur C F G oder G7 mittel, F ist ein Barréakkord
D-Dur D G A oder A7 leicht, alle offen
A-Dur A D E oder E7 leicht, alle offen
E-Dur E A H7 mittel, H7 ist ungewohnt

Die Septakkorde D7, G7, A7 und E7 sind auf der Gitarre oft sogar leichter als die einfache Durform und klingen in Volksliedern besonders passend. Die Griffe zu allen genannten Akkorden stehen im Artikel Die wichtigsten Akkorde für Anfänger. Für F-Dur gibt es eine vereinfachte Form ohne Barré, die für Liedbegleitung völlig reicht.

Die Liederliste

Alle Lieder in dieser Liste sind traditionell oder seit langem gemeinfrei. Die Akkordfolgen entsprechen der verbreiteten Begleitung in Liederbüchern. Manche Ausgaben stehen in einer anderen Tonart oder ergänzen einen vierten Akkord, die Grundfunktionen bleiben aber gleich.

Mit zwei Akkorden

Lied Akkorde Hinweis
Hänschen klein C, G7 Kinderlied, ideal für den allerersten Wechsel
Tom Dooley G, D7 amerikanischer Folksong, passt gut zum Wechselbass
Drunken Sailor Dm, C englisches Seemannslied in Moll, alternativ Am und G

Zwei-Akkord-Lieder sind perfekt für die erste Woche. Du trainierst einen einzigen Wechsel, und das immer wieder im echten musikalischen Zusammenhang.

Mit drei Akkorden in G-Dur

Lied Akkorde Hinweis
Oh Susanna G, C, D7 amerikanischer Folksong aus dem 19. Jahrhundert, flottes Tempo
When the Saints Go Marching In G, C, D7 Spiritual, manche Ausgaben ergänzen G7
Swing Low, Sweet Chariot G, C, D7 Spiritual, ruhig, gut zum Zupfen
Amazing Grace G, C, D7 Hymne im Dreivierteltakt
Die Gedanken sind frei G, C, D7 deutsches Volkslied im Dreivierteltakt
The Wild Rover G, C, D irisches Volkslied, kräftig mitzusingen

Mit drei Akkorden in C-Dur

Lied Akkorde Hinweis
Alle meine Entchen C, F, G7 Kinderlied, sehr langsam spielbar
Kuckuck, Kuckuck, ruft’s aus dem Wald C, F, G7 Dreivierteltakt, Walzermuster
Kumbaya C, F, G ruhiges Spiritual
La Bamba C, F, G traditionelles mexikanisches Lied, die Folge wiederholt sich durchgehend

Wem F noch zu schwer ist, der spielt die Lieder aus der C-Dur-Liste einfach in G-Dur: Aus C wird G, aus F wird C, aus G wird D. Das funktioniert mit jedem Lied, weil nur die Tonhöhe sich ändert, nicht die Abfolge.

So übst du ein neues Lied

  1. Akkorde einzeln prüfen: Jeden Griff Saite für Saite anschlagen, bis alle Töne klar klingen.
  2. Den schwierigsten Wechsel isolieren: Meist ist es der Wechsel zur Dominante. Diesen eine Minute lang üben.
  3. Mit Vierteln begleiten: Vier Abschläge pro Takt, Akkordwechsel genau auf der Eins.
  4. Melodie summen: Erst wenn die Begleitung läuft, summst oder singst du dazu. So merkst du, an welcher Silbe der Akkord wechselt.
  5. Schlagmuster ausbauen: Von Vierteln zu Achteln, dann zum klassischen Muster mit ausgelassener Drei.

Welche Schlagmuster sich für welche Lieder eignen und wie du dich steigerst, erklärt der Artikel Schlagmuster lernen. Für Lieder im Dreivierteltakt wie „Amazing Grace“, „Die Gedanken sind frei“ oder „Kuckuck, Kuckuck“ brauchst du ein Walzermuster mit Betonung auf der Eins.

Das Blues-Schema: drei Akkorde, zwölf Takte

Nicht nur Volkslieder, auch der Blues und der frühe Rock ’n’ Roll stehen auf drei Akkorden. Das bekannteste Schema ist der zwölftaktige Blues. In A lautet er:

Takt 1 bis 4 Takt 5 bis 8 Takt 9 bis 12
A, A, A, A D, D, A, A E, D, A, E

Spiele jeden Takt mit vier Abschlägen oder einem Shuffle und zähle die Takte laut mit. Das Schema ist eine hervorragende Übung, weil es lang genug ist, um Konzentration zu verlangen, und so regelmäßig, dass du es nach wenigen Durchgängen im Kopf hast. Mit A7, D7 und E7 statt der Durakkorde klingt es noch bluesiger.

Akkorde nach Gehör finden

Mit einer Akkordfamilie im Kopf kannst du viele Lieder auch ohne Akkordblatt begleiten. Fange mit der Tonika an. Klingt sie an einer Stelle plötzlich falsch, probiere zuerst die Dominante, dann die Subdominante. In den meisten traditionellen Liedern ist einer der beiden richtig. Der Schlussakkord ist fast immer die Tonika.

Diese Methode ist eine hervorragende Gehörbildung. Nach einigen Liedern erkennst du die typischen Spannungsmomente, an denen die Dominante kommt, und die Stellen, an denen die Subdominante den Klang öffnet.

Typische Fehler beim ersten Lied

  • Wechsel zu spät: Der neue Akkord kommt erst, wenn die Finger bereit sind, und der Takt wird länger. Besser: auf dem letzten Schlag vor dem Wechsel loslassen und den neuen Akkord pünktlich auf die Eins setzen.
  • Zu schnelles Tempo: Lieder werden oft im Originaltempo versucht. Halbiere es für die ersten Durchgänge.
  • Nie bis zum Ende: Wer bei jedem Fehler neu beginnt, übt nur den Anfang. Spiele das Lied einmal komplett durch, auch mit Fehlern, und übe danach die schwierigen Stellen gezielt.

Drei Akkorde im Übungsplan

Wenn du nach dem Übungsplan übst, ersetzen diese Lieder den Block „Lied“ am Ende jeder Einheit. Ein sinnvoller Ablauf über vier Wochen:

Woche Lieder Fokus
1 Hänschen klein, Tom Dooley ein Wechsel, Viertelschlag
2 Oh Susanna, When the Saints Go Marching In drei Akkorde, Achtel
3 Amazing Grace, Die Gedanken sind frei Dreivierteltakt
4 Kumbaya, La Bamba (in G oder C) Tonartwechsel, klassisches Schlagmuster

Und danach?

Sitzen die drei Grundfunktionen, ist der nächste Schritt ein vierter Akkord: die Moll-Parallele der Tonika, also Em in G-Dur oder Am in C-Dur. Mit dieser Erweiterung öffnet sich die Tür zu unzähligen Pop- und Folksongs, die auf vier Akkorden basieren. Viele davon sind urheberrechtlich geschützt, die Akkordfolgen findest du in lizenzierten Songbooks und auf Songseiten. Traditionelle Lagerfeuerklassiker mit wenigen Griffen stellt der Artikel Lagerfeuerlieder vor.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welche drei Akkorde sollte ich zuerst lernen?
G, C und D. Sie bilden eine Akkordfamilie, lassen sich offen greifen und decken viele Volks-, Folk- und Kinderlieder ab. Mit E-Moll als viertem Akkord erweitert sich die Auswahl noch einmal deutlich.
Warum stehen bei manchen Liedern andere Akkorde als hier?
Lieder lassen sich in jeder Tonart spielen und unterschiedlich harmonisieren. Ein Liederbuch notiert ein Lied vielleicht in C-Dur, ein anderes in G-Dur, manche ergänzen zusätzliche Akkorde. Die Funktion bleibt gleich: Tonika, Subdominante, Dominante.
Darf ich Liedtexte für mein Akkordblatt abschreiben?
Für den privaten Gebrauch ist das Abschreiben eines Liedes in der Regel unproblematisch. Veröffentlichen solltest du nur Texte, die gemeinfrei sind, also deren Urheber seit mehr als 70 Jahren verstorben sind, oder für die du die Rechte hast. Traditionelle Volkslieder sind meist gemeinfrei, moderne Popsongs fast nie.
Was mache ich, wenn das Lied zu hoch zum Singen ist?
Setze einen Kapodaster oder spiele die Akkordfamilie einer anderen Tonart. Statt G, C und D kannst du zum Beispiel C, F und G nehmen. Das Lied klingt dann tiefer, die Akkordfolge bleibt dieselbe.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.