Tabs lesen lernen: Alle Zeichen mit Beispielen
Von der Kopfzeile über Wiederholungszeichen bis zu Bendings, Flageoletts und Palm Mute: so entschlüsselst du auch komplexe Tabs und spielst sie im richtigen Rhythmus.
Tabs lesen lernst du in drei Schritten: die sechs Linien und die Bundzahlen verstehen, die Technikzeichen kennen und den Rhythmus aus Notenhälsen oder dem Original ableiten. Die Grundlagen, also welche Linie welche Saite ist und was eine 0 bedeutet, stehen im Ratgeber Tabs und Noten lesen. Hier geht es um alles, was danach kommt: Kopfzeilen, Wiederholungen, die selteneren Zeichen und eine Methode, mit der du auch lange Tabs ohne Frust erarbeitest.
Zuerst die Kopfzeile lesen
Viele Probleme beginnen, bevor die erste Zahl gespielt ist. Seriöse Tabs nennen oben einige Angaben, die über alles Weitere entscheiden:
| Angabe | Bedeutung | Was du tust |
|---|---|---|
| Tuning: Standard / E A D G H E | Normalstimmung | nichts, nur nachstimmen |
| Tuning: Drop D | tiefe E-Saite auf D gestimmt | E-Saite einen Ganzton tiefer stimmen |
| Tuning: Eb / Halbton tiefer | alle Saiten einen Halbton tiefer | alle sechs Saiten einen Halbton tiefer stimmen |
| Capo 2 | Kapodaster im 2. Bund | Kapo setzen, Zahlen gelten ab dem Kapo |
| Tempo / BPM | Grundtempo des Stücks | Metronom anfangs deutlich langsamer einstellen |
Bei Kapodaster-Angaben gilt: Die Zahlen im Tab sind relativ zum Kapo gemeint. Eine 0 ist also der Bund, in dem der Kapo sitzt, eine 2 liegt zwei Bünde darüber. Steht dagegen „Capo 2, Tab ohne Capo notiert“, sind die Zahlen absolut. Im Zweifel hilft der Vergleich mit dem Original.
Achte außerdem auf die Saitennamen am Zeilenanfang. Englische Tabs schreiben „B“ für die H-Saite. Gemeint ist dieselbe Saite.
Rhythmus im Tab erkennen
Die meisten Text-Tabs im Netz zeigen nur, welche Töne gespielt werden, nicht wie lang sie klingen. Einen groben Hinweis geben die Abstände: Weit auseinanderstehende Zahlen klingen meist länger als dicht gedrängte. Verlässlich ist das nicht.
Gedruckte Songbooks und Tabs aus Notensatzprogrammen zeigen den Rhythmus entweder durch eine Notenzeile über der Tabulatur oder durch Notenhälse direkt an den Zahlen. Ein einzelner Hals ist eine Viertel, ein Hals mit Fähnchen oder Balken eine Achtel, ein doppelter Balken eine Sechzehntel. Taktstriche teilen die Zeile in Takte. Wer die Notenwerte aus dem Ratgeber zur Notation kennt, liest diese Tabs ohne Mühe.
Fehlen Rhythmusangaben ganz, gehst du so vor: Original anhören, den Abschnitt mitsummen, dann die Töne im Tab dem Gesummten zuordnen. Viele Tab-Programme spielen das Notierte außerdem ab, was das Prüfen erleichtert.
Wiederholungen und Abschnitte
Damit Tabs nicht endlos lang werden, nutzen sie Kurzformen:
- x2, x4 oder „2x“ hinter einem Abschnitt: Abschnitt so oft spielen.
- |: und :| am Anfang und Ende eines Abschnitts: Wiederholungszeichen wie in der Notenschrift.
- Teilenamen wie Intro, Verse, Chorus, Bridge, Solo: Der Teil wird einmal ausgeschrieben und später nur mit Namen genannt.
- 1. und 2. Ende (oft als „1.“ und „2.“ über dem Takt): Beim ersten Durchgang spielst du das erste Ende, beim Wiederholen springst du zum zweiten.
Ein Beispiel für ein Riff mit Wiederholungszeichen:
Riff (x4)
e|-----------------|
H|-----------------|
G|-----------------|
D|---------2---0---|
A|-----3-------3---|
E|-0---------------|
Lies das als: das Riff vier Mal hintereinander spielen, danach geht es mit dem nächsten Abschnitt weiter.
Bendings richtig lesen
Beim Bending ziehst du die Saite seitlich, sodass der Ton steigt. Tabs schreiben das unterschiedlich, die Bedeutung bleibt gleich:
| Schreibweise | Bedeutung |
|---|---|
| 7b9 oder 7b(9) | im 7. Bund greifen und so weit ziehen, bis der Ton wie im 9. Bund klingt (Ganzton) |
| 7b8 | Halbton-Bending, Ton wie im 8. Bund |
| 7b9r7 | ziehen und wieder zurück auf den Ausgangston |
| pb9 oder (9)r7 | Saite vorher ziehen, dann anschlagen und lösen (Pre-Bend) |
| full / 1/2 | Größe des Bendings: Ganzton oder Halbton |
H|--8------------------|
G|-----7b9--7b9r7--5---|
Ob das Bending stimmt, prüfst du mit dem Gehör: Erst den Zielton im höheren Bund greifen und anschlagen, dann aus dem tieferen Bund dorthin ziehen. Beide Töne sollten gleich klingen.
Flageoletts, Tapping und Dämpfen
Neben Hammer-on, Pull-off und Slide begegnen dir in Rock- und Akustiktabs einige weitere Zeichen:
| Zeichen | Technik | So spielst du es |
|---|---|---|
| <12> oder Harm. | natürliches Flageolett | Finger berührt die Saite direkt über dem Bundstäbchen, ohne zu drücken |
| AH oder PH | künstliches Flageolett, Pinch Harmonic | Ton mit Plektrum und Daumenkante gleichzeitig anschlagen |
| t oder T | Tapping | Ton mit einem Finger der Schlaghand auf dem Griffbrett erzeugen |
PM----- |
Palm Mute | Handkante liegt am Steg auf den Saiten, solange die Linie reicht |
| let ring | ausklingen lassen | Töne nicht abdämpfen, auch wenn der nächste schon kommt |
| (5) | Geisterton oder Nachklang | leise andeuten oder weiterklingen lassen |
| tr | Triller | schnell zwischen zwei Tönen wechseln, mit Hammer-on und Pull-off |
Natürliche Flageoletts gelingen am leichtesten im 12., 7. und 5. Bund. Im Tab sehen sie so aus:
e|-<12>-------|
H|-<12>-------|
G|-<12>--<7>--|
Akkorde und Zupfmuster im Tab
Stehen mehrere Zahlen genau untereinander, werden sie gleichzeitig angeschlagen. Stehen sie versetzt, folgen die Töne nacheinander, wie beim Zupfen. Ein A-Moll-Akkord einmal gleichzeitig und einmal gezupft:
e|-0-------------0-|
H|-1-----------1---|
G|-2---------2-----|
D|-2-------2-------|
A|-0-----0---------|
E|-----------------|
Wenn du ein solches Zupfmuster erkennst, greife den ganzen Akkord, statt jeden Ton einzeln zu setzen. Das spart Bewegung und klingt voller, weil die Töne ineinander klingen. Wie typische Zupfmuster aufgebaut sind, erklärt der Artikel Zupfmuster für Anfänger.
Mehrzeilige Tabs lesen
Längere Stücke stehen in mehreren Blöcken untereinander. Jeder Block hat wieder sechs Linien. Du liest einen Block von links nach rechts zu Ende und springst dann zum nächsten, genau wie bei einem Text. Ein häufiger Anfängerfehler ist, beim Zeilenumbruch versehentlich Linien zu vertauschen. Die Saitennamen am Anfang jedes Blocks verhindern das.
Manche Tabs zeigen nur die Saiten, die tatsächlich gespielt werden, etwa nur vier Linien für eine Bassfigur. Prüfe dann besonders genau, welche Saiten gemeint sind.
So erarbeitest du einen neuen Tab
- Kopfzeile prüfen: Stimmung und Kapodaster einstellen.
- Original hören: einmal komplett, ohne Gitarre.
- Abschnitte markieren: Intro, Strophe, Refrain getrennt üben.
- Takt für Takt: zwei bis vier Takte langsam spielen, bis sie sitzen.
- Rhythmus ergänzen: mit Original oder Metronom.
- Verbinden: Abschnitte aneinanderhängen, erst dann das Tempo steigern.
Ein guter erster Lernstoff ist die Pentatonik, weil sie nur aus zwei Tönen pro Saite besteht und als Grundlage vieler Soli dient. Mit ihr übst du Bendings, Hammer-ons und Slides gleich mit. Wie das geht, zeigt der Artikel Pentatonik auf der Gitarre.
Übung: Einen Tab selbst schreiben
Am schnellsten verstehst du Tabs, wenn du selbst einen schreibst. Nimm eine kurze Melodie, die du nach Gehör spielen kannst, zum Beispiel den Anfang eines Kinderliedes. Zeichne sechs Linien, beschrifte sie mit den Saitennamen und trage jeden Ton als Bundzahl ein. Setze Taktstriche, wo ein Takt endet, und notiere oben Stimmung und Kapodaster, auch wenn beides Standard ist.
Lege den fertigen Tab einige Tage weg und spiele ihn dann nur vom Blatt. Stellen, an denen du stockst, zeigen dir, welche Angaben in einem Tab wirklich fehlen dürfen und welche nicht. Diese Erfahrung hilft enorm, wenn du später fremde Tabs auf Fehler prüfst.
Woran du einen guten Tab erkennst
Tabs aus dem Netz sind unterschiedlich zuverlässig. Gute Tabs nennen Stimmung und Kapodaster, unterteilen in Abschnitte, haben Taktstriche und enthalten eine Legende für ungewöhnliche Zeichen. Wenn mehrere Versionen desselben Stücks existieren, lohnt der Vergleich. Stimmen zwei unabhängige Fassungen überein, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie richtig sind. Offizielle Songbooks sind meist genauer als frei geteilte Text-Tabs.
Fragen und Antworten
- Woran erkenne ich den Rhythmus in einem Tab?
- Bei reinen Text-Tabs oft gar nicht oder nur grob über die Abstände zwischen den Zahlen. Tabs aus Notensatzprogrammen und gedruckte Songbooks zeigen Notenhälse oder eine Notenzeile darüber. Fehlt beides, hilft nur das Hören des Originals.
- Was bedeutet eine Zahl in Klammern?
- Meist einen leisen Geisterton, der nur angedeutet wird, oder einen Ton, der von vorher weiterklingt. Bei Bendings steht in Klammern manchmal der Zielton. Welche Bedeutung gemeint ist, ergibt sich aus dem Zusammenhang oder der Legende des Tabs.
- Warum klingt mein Tab anders als das Original?
- Häufige Ursachen sind eine andere Stimmung, ein fehlender Kapodaster, falsch gelesene Saiten oder ein abweichender Rhythmus. Prüfe zuerst die Kopfzeile, dann die Saitennamen am Zeilenanfang. Text-Tabs aus dem Netz sind zudem oft von Hobbyspielern nach Gehör erstellt und enthalten Fehler.
- Sind Tabs für Anfänger besser als Noten?
- Für den Einstieg in Riffs, Melodien und Soli ja, weil sie direkt zeigen, wo gegriffen wird. Noten zeigen Rhythmus und Tonhöhe genauer. Viele gedruckte Ausgaben kombinieren beides, sodass du mit Tabs beginnen und die Notenzeile nach und nach dazulernen kannst.
Weiterlesen
- Tabs und Noten
Tabulatur, Akkordsymbole und Notenschrift im Vergleich: wie du jede Form liest, welche Zeichen es gibt und wann sich Noten lohnen.
- Pentatonik
Fünf Töne, zwei pro Saite, verschiebbar in jede Tonart: wie die Moll-Pentatonik aufgebaut ist, wie du sie übst und wie aus der Tonleiter das erste Solo wird.
- Zupfmuster
Fünf Zupfmuster als Tab, aufeinander aufbauend: von p-i-m-i über den Daumen-Akkord-Wechsel bis zum ersten Wechselbass und einem Muster im Dreivierteltakt.
Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.