Rhythmus

Zupfmuster für Anfänger: 5 Patterns zum Mitspielen

Fünf Zupfmuster als Tab, aufeinander aufbauend: von p-i-m-i über den Daumen-Akkord-Wechsel bis zum ersten Wechselbass und einem Muster im Dreivierteltakt.

Akkorde für die fünf Zupfmuster

×321
C-Dur (C)Daumen auf der A-Saite
×231
A-Moll (Am)Daumen auf der A-Saite
213
G-Dur (G)Daumen auf der tiefen E-Saite
23
E-Moll (Em)Daumen auf der tiefen E-Saite
××132
D-Dur (D)Daumen auf der D-Saite

Lesart: senkrechte Linien sind die Saiten, links die tiefe E-Saite. Zahlen in den Punkten nennen den Finger (1 Zeigefinger bis 4 kleiner Finger), ○ heißt leer anschlagen, × heißt die Saite auslassen.

Ein Zupfmuster legt fest, in welcher Reihenfolge die Finger die Saiten eines Akkords anschlagen. Dafür bekommt jeder Finger eine feste Saite: der Daumen (p) die Basssaite mit dem Grundton, Zeigefinger (i) die G-Saite, Mittelfinger (m) die H-Saite und Ringfinger (a) die hohe e-Saite. Die fünf Muster in diesem Ratgeber bauen aufeinander auf. Spiele sie der Reihe nach, jedes zuerst mit einem einzigen Akkord, dann mit einem Wechsel.

Bevor es losgeht: Hand und Tab

Die Grundhaltung: Lege die Anschlagshand locker über das Schallloch oder knapp dahinter. Das Handgelenk ist leicht gewölbt, die Finger hängen entspannt über den Saiten. Der Daumen steht etwas weiter links als die Finger, sodass er nicht mit dem Zeigefinger zusammenstößt.

Die Bewegung: Die Finger zupfen aus dem Grundgelenk und bewegen sich nach dem Anschlag in Richtung Handfläche, nicht nach oben weg. Der Daumen schlägt nach vorn und leicht nach unten, wie eine kleine kreisende Bewegung. Die Hand selbst bleibt ruhig, nur die Finger arbeiten.

Die Zuordnung: Jeder Finger bleibt bei seiner Saite, nur der Daumen wechselt je nach Akkord auf die passende Basssaite.

Kürzel Finger Saite in allen Mustern
p Daumen Grundton: E-, A- oder D-Saite
i Zeigefinger G-Saite
m Mittelfinger H-Saite
a Ringfinger hohe e-Saite

Die Tabs: Jede Zeile ist eine Saite, oben die hohe e-Saite, unten die tiefe E-Saite. Die Zahl gibt den Bund an, 0 ist die leere Saite. Unter jedem Tab steht die Zählzeit, „+“ bedeutet „und“. Eine ausführliche Erklärung aller Zeichen findest du im Ratgeber Tabs lesen lernen.

Muster 1: p-i-m-i auf C-Dur

Das einfachste Muster benutzt nur drei Finger. Der Daumen spielt den Grundton auf der A-Saite, danach wechseln sich Zeige- und Mittelfinger ab. Jeder Ton ist eine Achtel, ein Takt hat acht Töne.

     C
e |-----------------|
H |-----1-------1---|
G |---0---0---0---0-|
D |-----------------|
A |-3-------3-------|
E |-----------------|
    1 + 2 + 3 + 4 +
    p i m i p i m i

Ziel: Alle Töne gleich laut und gleichmäßig. Achte darauf, dass der Daumen nicht lauter ist als die Finger. Wenn es sicher läuft, spiele das Muster auf A-Moll: Der Daumen bleibt auf der A-Saite, nur die Greifhand wechselt.

Muster 2: p-i-m-a auf A-Moll

Jetzt kommt der Ringfinger dazu. Die Finger zupfen von der tiefsten zur höchsten Saite, das Muster klingt wie eine aufsteigende Welle. Es wiederholt sich zweimal pro Takt.

     Am
e |-------0-------0-|
H |-----1-------1---|
G |---2-------2-----|
D |-----------------|
A |-0-------0-------|
E |-----------------|
    1 + 2 + 3 + 4 +
    p i m a p i m a

Ziel: Der Ringfinger ist bei den meisten Menschen der schwächste. Achte darauf, dass die hohe e-Saite nicht leiser klingt als die anderen. Probiere das Muster danach mit E-Moll: Der Daumen wandert auf die tiefe E-Saite.

Muster 3: Bass und Akkord im Wechsel auf G-Dur

Bei diesem Muster spielen i, m und a gleichzeitig, wie ein kleiner gezupfter Akkord. Der Daumen spielt auf der Eins den Grundton und auf der Drei einen zweiten Basston. Das Muster läuft in Vierteln und klingt nach Ballade oder Country.

     G
e |-----3-------3---|
H |-----0-------0---|
G |-----0-------0---|
D |---------0-------|
A |-----------------|
E |-3---------------|
    1 + 2 + 3 + 4 +
    p   ima p   ima

Ziel: Die drei Finger schlagen exakt gleichzeitig an. Stell dir vor, du greifst mit einer kleinen Zangenbewegung in die Saiten. Der Wechsel des Daumens zwischen E- und D-Saite bereitet Muster 4 vor.

Muster 4: Der erste Wechselbass auf C-Dur

Jetzt pendelt der Daumen auf jeder Zählzeit zwischen zwei Basssaiten hin und her, die Finger setzen dazwischen Töne auf den „und“-Zeiten. Das ist der Grundgedanke des Fingerpickings: Der Daumen läuft durch wie ein Metronom, die Finger spielen frei darüber.

     C
e |-----------------|
H |---1-------1-----|
G |-------0-------0-|
D |-----2-------2---|
A |-3-------3-------|
E |-----------------|
    1 + 2 + 3 + 4 +
    p m p i p m p i

Ziel: Übe zuerst nur den Daumen: A-Saite, D-Saite, A-Saite, D-Saite, gleichmäßig auf jeder Zählzeit. Läuft das eine Minute lang ohne Nachdenken, setze die Finger dazu. Klappt es nicht, lass anfangs den Mittelfinger weg und spiele nur den Zeigefinger auf der Zwei und Vier. Wie sich daraus das eigentliche Fingerpicking entwickelt, zeigt der Ratgeber Fingerpicking lernen.

Muster 5: Arpeggio im Dreivierteltakt auf D-Dur

Viele Volkslieder, Walzer und ruhige Balladen stehen im Dreivierteltakt. Dieses Muster nutzt alle vier Finger, steigt auf und wieder ab. Ein Takt hat sechs Achtel. Da D-Dur auf der D-Saite seinen Grundton hat, spielt der Daumen hier die D-Saite.

     D
e |-------2-----|
H |-----3---3---|
G |---2-------2-|
D |-0-----------|
A |-------------|
E |-------------|
    1 + 2 + 3 +
    p i m a m i

Ziel: Betone die Eins leicht, damit der Dreiertakt hörbar wird. Achte beim Rückweg darauf, dass m und i nicht hastig werden. Dasselbe Muster funktioniert auf A-Moll, C-Dur und G-Dur, der Daumen wechselt jeweils auf die Basssaite des Akkords.

Akkordwechsel beim Zupfen

Sobald ein Muster mit einem Akkord sicher läuft, kommt der Wechsel dazu. Beim Zupfen hast du einen Vorteil: Der Akkord muss nicht auf einmal stehen. Wichtig ist nur, dass der Basston auf der Eins sitzt.

  • Bass zuerst: Setze beim Wechsel zuerst den Finger, der den Basston greift. Die übrigen Finger folgen in den nächsten Achteln.
  • Letzte Achtel als Puffer: Die letzte Achtel eines Taktes darf als leere Saite klingen, während die Greifhand schon wechselt.
  • Langsame Folgen: Beginne mit zwei Takten pro Akkord, später einem Takt.

Gute Übungsfolgen für die Muster 1 und 2 sind C, A-Moll, E-Moll und G. Für Muster 5 eignet sich D, G und A-Moll im Dreivierteltakt.

Ein Übungsplan für zwei Wochen

Tage Inhalt Dauer pro Tag
1 bis 3 Muster 1 mit C und A-Moll, nur Anschlagshand beobachten 10 Minuten
4 bis 6 Muster 2 mit A-Moll und E-Moll, Ringfinger bewusst gleich laut 10 Minuten
7 bis 8 Muster 3 mit G und C, gleichzeitiger Anschlag von i, m und a 10 Minuten
9 bis 11 Muster 4, erst Daumen allein, dann mit Fingern 15 Minuten
12 bis 14 Muster 5 im Dreivierteltakt, danach freie Wahl mit Akkordwechseln 15 Minuten

Nutze ein Metronom auf niedrigem Tempo und spiele lieber langsam und gleichmäßig als schnell und holprig. Erhöhe das Tempo erst, wenn ein Muster mehrmals hintereinander fehlerfrei gelingt.

Welches Muster passt wozu?

Muster Takt Klangcharakter Passt zu
1: p-i-m-i 4/4 ruhig, gleichmäßig langsame Popballaden, Einstieg in jedes Lied
2: p-i-m-a 4/4 fließend, aufsteigend Balladen, Singer-Songwriter, ruhige Strophen
3: Bass und Akkord 4/4 rhythmisch, leicht schunkelnd Country, Folk, einfache Volkslieder
4: Wechselbass 4/4 treibend, lebendig Folk, Blues, Vorbereitung auf Fingerpicking
5: Arpeggio im Dreiertakt 3/4 wiegend Walzer, Wiegenlieder, viele Volkslieder

Höre dir ein Lied an und zähle mit: Fühlt es sich nach „1, 2, 3, 4“ an, nimm eines der Muster 1 bis 4. Zählst du „1, 2, 3“, passt Muster 5. Innerhalb eines Liedes darfst du Muster auch kombinieren, etwa ruhiges Zupfen in der Strophe und einen Schlagrhythmus im Refrain.

Ein letzter Hinweis zur Lautstärke: Der Basston des Daumens darf etwas kräftiger sein als die Fingertöne, denn er trägt die Harmonie. Die Melodie oder der höchste Ton eines Musters, meist auf der e-Saite, darf ebenfalls hervortreten. Alles dazwischen bleibt eher leise. Diese Abstufung lässt selbst einfache Muster musikalisch klingen.

Häufige Fehler

  • Die ganze Hand hüpft mit: Die Hand bleibt ruhig, nur die Finger bewegen sich. Eine leichte Auflage des Unterarms auf der Zarge stabilisiert.
  • Finger ziehen nach oben weg: Dadurch klingen die Töne dünn und die Saiten schnarren. Zupfe in Richtung Handfläche.
  • Der Daumen stößt mit dem Zeigefinger zusammen: Daumen etwas weiter nach links Richtung Hals stellen.
  • Ungleiche Lautstärke: Spiele bewusst leise und gleichmäßig. Laut kommt später von selbst.
  • Hinsehen auf die Anschlagshand: Am Anfang erlaubt, später sollen die Finger ihre Saiten blind finden. Übe das Muster zwischendurch mit geschlossenen Augen.

Wie Zupfmuster und Schlagmuster im Rhythmus zusammenhängen und wann du welches einsetzt, erklärt der Ratgeber Schlagmuster und Zupfmuster.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Was bedeuten p, i, m und a?
Die Buchstaben stammen aus dem Spanischen und bezeichnen die Finger der Anschlagshand: p für pulgar (Daumen), i für índice (Zeigefinger), m für medio (Mittelfinger) und a für anular (Ringfinger). Der kleine Finger wird beim Zupfen meist nicht verwendet.
Brauche ich lange Fingernägel zum Zupfen?
Nein. Mit der Fingerkuppe klingt der Ton weicher, mit kurzen, glatt gefeilten Nägeln heller und lauter. Klassische Gitarristen spielen oft mit Nägeln, für Liedbegleitung reichen die Kuppen völlig aus. Wichtig ist nur, dass die Nägel keine scharfen Kanten haben, die an den Saiten hängen bleiben.
Kann ich Zupfmuster auch auf der Westerngitarre spielen?
Ja. Zupfmuster klingen auf der Konzertgitarre weich und auf der Westerngitarre hell und brillant. Auf Stahlsaiten ist der Anschlag mit der Kuppe anfangs etwas ungewohnt, das gibt sich nach einigen Wochen. Manche nutzen für den Bass ein Daumenplektrum.
Wie schnell sollte ich ein Zupfmuster spielen?
So langsam, dass jeder Ton gleich laut und ohne Stocken kommt. Ein Metronom auf niedrigem Tempo hilft. Steigere das Tempo erst, wenn das Muster mehrmals hintereinander ohne Fehler und ohne Hinsehen gelingt.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.