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Gitarrensaiten wechseln: Anleitung für Western- und Konzertgitarre

Alte Saiten runter, neue drauf: wie der Wechsel an Western- und Konzertgitarre funktioniert, wie viele Wicklungen sinnvoll sind und wie die Stimmung schnell hält.

Saitenwechsel im Überblick

  1. Vorbereiten

    Neuen Saitensatz, Saitenkurbel, Seitenschneider und ein weiches Tuch bereitlegen. Gitarre auf eine weiche Unterlage legen.

  2. Alte Saite entspannen

    Mechanik drehen, bis die Saite locker ist. Dann an der Mechanik abwickeln oder durchtrennen und am Steg lösen.

  3. Neue Saite am Steg befestigen

    Westerngitarre: Kugelende ins Steg-Loch, Pin aufsetzen. Konzertgitarre: Saite durch das Loch im Steg führen und verknoten.

  4. An der Mechanik aufwickeln

    Saite durch das Loch der Mechanik führen, etwas Spiel lassen und ordentlich nach unten aufwickeln.

  5. Stimmen und dehnen

    Auf Tonhöhe bringen, Saite vorsichtig vom Griffbrett wegziehen, nachstimmen. Mehrmals wiederholen, überstehende Enden abschneiden.

Gitarrensaiten wechselst du in drei Schritten: alte Saite entspannen und entfernen, neue Saite am Steg befestigen, neue Saite an der Mechanik sauber aufwickeln und stimmen. Der wichtigste Unterschied zwischen den Gitarrenarten liegt am Steg. Bei der Westerngitarre hält ein Steg-Pin das Saitenende mit der Kugel, bei der Konzertgitarre wird die Nylonsaite am Steg verknotet. Mit etwas Übung dauert ein kompletter Wechsel kaum eine halbe Stunde.

Vorweg das Wichtigste: Western- und Konzertgitarren brauchen unterschiedliche Saiten, die nicht austauschbar sind. Welche Saiten wohin gehören und wie sie sich unterscheiden, erklärt der Vergleich Nylon- oder Stahlsaiten.

Was du brauchst

Werkzeug Wofür Unbedingt nötig?
Neuer Saitensatz passend zur Gitarrenart ja
Saitenkurbel Mechaniken schnell drehen, oft mit Kerbe zum Ziehen der Pins sehr hilfreich
Seitenschneider Enden abschneiden, alte Saiten durchtrennen ja
Weiches Tuch Griffbrett und Korpus abwischen empfohlen
Stimmgerät oder App neue Saiten auf Tonhöhe bringen ja
Weiche Unterlage, Halsauflage Gitarre sicher ablegen empfohlen

Alte Saiten entfernen

Drehe die Mechanik, bis die Saite deutlich locker ist. Erst dann löst du sie an der Kopfplatte. Wer eine gespannte Saite einfach durchschneidet, riskiert, dass das Ende zurückschnellt, und belastet den Hals mit einem plötzlichen Spannungswechsel.

Alle auf einmal oder einzeln? Beide Wege funktionieren. Alle Saiten auf einmal abzunehmen hat den Vorteil, dass du Griffbrett und Bundstäbchen gründlich reinigen kannst. Einzeln zu wechseln hält die Zugkraft am Hals gleichmäßiger und ist bei Konzertgitarren mit loser Stegeinlage praktisch, weil diese sonst herausfallen kann. Für Einsteiger ist der Wechsel Saite für Saite oft übersichtlicher, weil die übrigen Saiten zeigen, wie die neue verlaufen soll.

Saiten haben scharfe Enden. Schneide sie in kleine Stücke oder biege die Enden um, bevor du sie entsorgst.

Westerngitarre: Saiten mit Steg-Pins

1. Pin entfernen

Die Saiten der Westerngitarre werden am Steg von kleinen Stiften, den Steg-Pins, gehalten. Ziehe den Pin mit der Kerbe der Saitenkurbel heraus. Sitzt er fest, drücke die entspannte Saite ein Stück in das Loch hinein, dann löst sich die Kugel vom Pin. Verwende keine Zange, die das Holz des Stegs beschädigen kann.

2. Neue Saite einsetzen

Stecke das Ende mit der kleinen Messingkugel ins Steg-Loch. Setze den Pin so auf, dass seine Rille in Richtung Griffbrett zeigt, also dort, wo die Saite verläuft. Drücke den Pin mit dem Daumen hinein und ziehe gleichzeitig leicht an der Saite. Die Kugel muss innen an der Stegplatte anliegen und nicht am Pin selbst hängen. Wenn du spürst, dass die Saite beim Ziehen einen kleinen Ruck macht, sitzt sie richtig.

3. Durch die Mechanik führen

Führe die Saite über Stegeinlage und Sattel zur passenden Mechanik und stecke sie durch das Loch im Wickelstift. Ziehe sie straff und lass dann etwas Spiel, damit sich genug Wicklungen bilden. Eine einfache Orientierung: Bei den dicken Saiten genügt weniger Spiel als bei den dünnen, weil sie mehr Platz am Stift brauchen. Als Ziel gelten oft zwei bis drei Windungen bei den tiefen und einige mehr bei den hohen Saiten.

4. Aufwickeln

Knicke die Saite hinter dem Wickelstift leicht ab, damit sie nicht durchrutscht, und drehe die Mechanik. Die Wicklungen sollen ordentlich von oben nach unten am Stift laufen, ohne sich zu überkreuzen. Die Saite läuft dabei auf der Innenseite des Stifts, also zur Mitte der Kopfplatte hin. Halte die Saite mit der anderen Hand leicht gespannt, damit sie in der Kerbe des Sattels bleibt.

Konzertgitarre: Nylonsaiten mit Knoten

1. Saite am Steg einfädeln

Bei der Konzertgitarre wird die Saite nicht eingesteckt, sondern am Steg verknotet. Führe die Saite von der Schallloch-Seite her durch das Loch im Steg, sodass ein Ende von einigen Zentimetern hinten herausschaut.

2. Knoten legen

Lege dieses Ende zurück über den Steg nach vorn, führe es unter der Saite durch und wickle es dann ein bis drei Mal um sich selbst. Bei den hohen, glatten Nylonsaiten sind mehr Windungen sinnvoll, weil sie leichter durchrutschen. Das freie Ende liegt am Ende auf der Hinterkante des Stegs und wird von der Saite selbst festgeklemmt, sobald sie gespannt wird. Ziehe die Saite vorsichtig fest, bevor du zur Kopfplatte gehst.

Manche Nylonsätze gibt es auch mit Kugelende. Sie werden ebenfalls durch den Steg geführt, brauchen aber keinen Knoten. Ob deine Gitarre dafür geeignet ist, siehst du am Steg.

3. An der Schlitzkopfplatte befestigen

Konzertgitarren haben meist eine Kopfplatte mit Schlitzen und quer liegenden Walzen. Führe die Saite durch das Loch in der Walze, lege das Ende einmal um die Saite selbst und dann unter sie, damit es sich beim Aufwickeln festklemmt. Die Saite sollte von oben über die Walze laufen. Wickle sie so auf, dass die Windungen zur Außenseite der Kopfplatte hin wandern und die Saite nicht an der Wand des Schlitzes reibt.

4. Geduld beim Stimmen

Nylonsaiten dehnen sich deutlich stärker als Stahlsaiten. Sie müssen nach dem Aufziehen oft über mehrere Tage immer wieder nachgestimmt werden. Das ist kein Fehler beim Wechseln, sondern eine Eigenschaft des Materials.

Stimmen und Saiten dehnen

Bringe jede neue Saite auf Tonhöhe, aber nicht darüber hinaus. Dann ziehst du sie mit zwei Fingern vorsichtig ein Stück vom Griffbrett weg, an mehreren Stellen entlang des Halses. Die Tonhöhe sinkt dabei. Stimme nach und wiederhole das zwei bis drei Mal. Zu kräftiges Ziehen kann die Saite beschädigen oder aus dem Knoten lösen, es geht nur um ein leichtes Vordehnen.

Erst wenn alle Saiten stabil gestimmt sind, schneidest du die überstehenden Enden ab. Lass an der Mechanik einige Millimeter stehen, damit die Saite nicht aus dem Loch rutscht. Die Grundlagen zum Stimmen findest du im Ratgeber Gitarre stimmen.

Die Gelegenheit zum Reinigen nutzen

Wenn die Saiten ab sind, kommst du an Stellen, die sonst schwer zu erreichen sind:

  • Griffbrett mit einem trockenen, weichen Tuch abwischen
  • Staub rund um Bundstäbchen und Sattel entfernen
  • Korpus unter den Saiten und am Steg reinigen
  • Mechaniken auf Spiel und Geräusche prüfen

Spezielle Pflegemittel für Griffbretter sind nicht für jedes Holz und jede Oberfläche gedacht. Halte dich an die Hinweise des Herstellers. Mehr zu Reinigung, Lagerung und Luftfeuchtigkeit steht im Artikel Gitarre pflegen.

Häufige Fehler und ihre Folgen

Fehler Folge Abhilfe
Zu wenige Wicklungen Saite rutscht, Stimmung hält nicht mehr Spiel lassen, neu aufwickeln
Viel zu viele Wicklungen Wicklungen überkreuzen sich, Stimmung unruhig Saite kürzen, sauber neu wickeln
Kugelende hängt am Pin Pin rutscht heraus, Saite verstimmt sich Pin drücken und Saite dabei leicht ziehen
Falsche Saite an falscher Position Saite reißt oder klingt falsch Saiten nach Packungsangabe zuordnen
Saite über Tonhöhe gespannt Saite reißt, besonders die hohe e-Saite Ton genau beobachten, Stimmgerät nutzen
Knoten an der Konzertgitarre zu locker Saite rutscht durch mehr Windungen bei den hohen Saiten

Die Saiten im Satz sind meist nummeriert oder farblich markiert. Die Nummer 1 ist die dünnste Saite, also die hohe e-Saite, die Nummer 6 die tiefe E-Saite. Lege dir die Tüten vor dem Wechsel in der richtigen Reihenfolge zurecht.

Und die E-Gitarre?

Bei der E-Gitarre ist das Prinzip gleich, nur die Befestigung am Korpus unterscheidet sich je nach Modell: Die Saiten werden durch den Korpus gefädelt, in einen Saitenhalter eingehängt oder durch ein Tremolosystem geführt. An der Mechanik werden sie wie bei der Westerngitarre aufgewickelt. Bei schwebenden Tremolosystemen solltest du unbedingt Saite für Saite wechseln, weil sich sonst das ganze System verstellt.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie oft sollte man Gitarrensaiten wechseln?
Einen festen Zeitraum gibt es nicht. Es hängt davon ab, wie oft du spielst, wie stark deine Hände schwitzen und ob die Saiten beschichtet sind. Deutliche Zeichen sind ein dumpfer Klang, Saiten, die die Stimmung nicht mehr halten, und raue oder verfärbte Stellen. Viel spielende Gitarristen wechseln deutlich öfter als Gelegenheitsspieler.
Alle Saiten auf einmal oder einzeln wechseln?
Beides ist möglich. Wer alle Saiten abnimmt, kann Griffbrett und Kopfplatte gründlich reinigen. Wer Saite für Saite wechselt, hält die Zugkraft am Hals und den Steg an Ort und Stelle. Bei Gitarren mit loser Stegeinlage oder schwebendem Tremolo ist das Wechseln einzeln meist bequemer.
Warum verstimmen sich neue Saiten so schnell?
Neue Saiten dehnen sich in den ersten Stunden und Tagen und setzen sich an Mechanik und Steg. Das ist normal. Vorsichtiges Dehnen direkt nach dem Aufziehen und mehrmaliges Nachstimmen verkürzen diese Phase deutlich.
Kann ich Stahlsaiten auf eine Konzertgitarre ziehen?
Nein. Stahlsaiten erzeugen eine deutlich höhere Zugkraft, für die eine Konzertgitarre nicht gebaut ist. Hals, Steg und Decke können dadurch Schaden nehmen. Auf eine Konzertgitarre gehören Nylonsaiten, auf eine Westerngitarre Stahlsaiten.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.