Zubehör

Gitarre pflegen: Reinigen, Luftfeuchtigkeit, Lagerung

Nach dem Spielen abwischen, Griffbrett beim Saitenwechsel reinigen, Luftfeuchte im Blick behalten: So bleibt deine Gitarre spielbar und klingt länger gut.

Eine Gitarre braucht wenig, aber regelmäßige Pflege: nach dem Spielen abwischen, beim Saitenwechsel das Griffbrett reinigen und das Instrument vor Hitze, Sonne und sehr trockener oder feuchter Luft schützen. Akustische Gitarren reagieren am empfindlichsten auf Luftfeuchtigkeit. Hersteller nennen für sie häufig einen Zielbereich von etwa 45 bis 55 Prozent relativer Luftfeuchte, ein günstiges Hygrometer zeigt, ob dein Raum passt.

Gute Pflege verlängert die Lebensdauer der Saiten, hält die Gitarre gut spielbar und verhindert teure Schäden am Holz. Welches Zubehör du dafür brauchst, steht im Ratgeber Gitarrenzubehör.

Nach jedem Spielen: Saiten und Hals abwischen

Handschweiß, Hautfett und Staub setzen sich auf Saiten, Griffbrett und Lack ab. Sie lassen Saiten schneller korrodieren und dumpf klingen. Die einfachste Gegenmaßnahme dauert eine halbe Minute:

  1. Ein weiches, fusselfreies Tuch, etwa aus Mikrofaser, zwischen Saiten und Griffbrett schieben und einmal den Hals entlangziehen.
  2. Jede Saite kurz mit dem Tuch umfassen und abziehen.
  3. Die Rückseite des Halses und die Stellen abwischen, an denen der Arm aufliegt.

Wer vor dem Spielen die Hände wäscht und gut abtrocknet, verlängert die Lebensdauer der Saiten zusätzlich.

Beim Saitenwechsel: gründliche Reinigung

Wenn die Saiten herunter sind, kommst du an das ganze Griffbrett. Das ist der beste Moment für eine gründliche Reinigung. Bei den meisten Gitarren ist es unproblematisch, für die Reinigung kurz alle Saiten gleichzeitig abzunehmen. Ausnahmen sind etwa E-Gitarren mit frei schwebendem Tremolo, bei denen sich dadurch die Einstellung verändern kann. Wie der Wechsel Schritt für Schritt funktioniert, zeigt die Anleitung Gitarrensaiten wechseln.

Griffbrett

  • Unlackierte Griffbretter (häufig Palisander oder Ebenholz): Ablagerungen an den Bundstäbchen mit einem trockenen Tuch entfernen, hartnäckige Stellen vorsichtig mit einem leicht feuchten Tuch. Danach gut trocknen. Gelegentlich und sehr sparsam ein Pflegemittel für Griffbretter auftragen und den Überschuss abnehmen.
  • Lackierte Griffbretter (oft bei Ahorn): nur abwischen, nicht ölen. Öl kann auf Lack nicht einziehen.

Bundstäbchen

Matte oder leicht angelaufene Bundstäbchen beeinträchtigen den Klang kaum, fühlen sich aber rauer an. Zum Polieren gibt es spezielle Schablonen, die das Holz abdecken. Bei stark abgespielten Bundstäbchen mit Rillen hilft nur die Werkstatt.

Korpus und Lack

Den Korpus mit einem trockenen oder leicht angefeuchteten Tuch abwischen. Spezielle Gitarrenpolituren sind möglich, sollten aber zur Oberfläche passen. Hochglanzlack, Seidenmattlack und geölte Oberflächen brauchen unterschiedliche Pflege. Ungeeignet sind Haushaltsreiniger, Möbelpolituren mit Silikon und scheuernde Mittel.

Luftfeuchtigkeit: das wichtigste Pflegethema

Holz nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf und gibt sie wieder ab. Dabei quillt und schrumpft es. Massivholzgitarren reagieren stärker als Gitarren mit laminierter Decke, und akustische Gitarren stärker als E-Gitarren mit dickem Lack und massivem Korpus.

Zustand Typische Anzeichen Was du tun kannst
zu trocken Bundstäbchen stehen seitlich am Halsrand über, Saitenlage sinkt, Saiten schnarren, im Extremfall Risse in Decke oder Boden Hygrometer prüfen, Raum- oder Gitarrenbefeuchter nutzen, Gitarre im Koffer lagern
zu feucht Saitenlage steigt, Klang wird dumpfer, Decke wölbt sich hinter dem Steg stärker Raum lüften oder entfeuchten, Gitarre nicht im feuchten Keller lagern
schnelle Wechsel Lackrisse, Spannungen im Holz Gitarre im Koffer langsam an neue Temperatur gewöhnen lassen

Für akustische Gitarren nennen Hersteller häufig einen Bereich von etwa 45 bis 55 Prozent relativer Luftfeuchte. Kurzfristige Abweichungen sind kein Problem, entscheidend ist, dass die Gitarre nicht über Wochen sehr trocken oder sehr feucht steht. Im Winter kann Heizungsluft die Luftfeuchte in Wohnräumen deutlich senken. Ein digitales Hygrometer im Raum oder im Koffer zeigt dir, ob du gegensteuern musst.

Gegen zu trockene Luft gibt es Gitarrenbefeuchter, die im Schallloch oder im Koffer liegen, sowie Raumluftbefeuchter. Wichtig ist, die Gitarre nicht zu überfeuchten. Halte dich an die Gebrauchsanleitung des Befeuchters und an die Angaben des Gitarrenherstellers.

Lagerung: Koffer, Ständer oder Wand?

Lagerort Vorteile Nachteile
Hartschalenkoffer bester Schutz vor Stößen, stabilere Luftfeuchte Gitarre wird seltener gespielt
Gigbag leicht, gut für Transport wenig Schutz bei Stößen
Ständer griffbereit, motiviert zum Spielen Staub, Gefahr des Umstoßens
Wandhalter platzsparend, sicher vor Kindern und Haustieren Wand darf nicht kalt oder feucht sein

Ungeeignet sind Plätze direkt neben der Heizung, am Kamin, in praller Sonne, an kalten Außenwänden, im feuchten Keller und im Auto. Im Sommer kann es im geparkten Auto so heiß werden, dass Leim und Lack Schaden nehmen.

Ein Hinweis zu Ständern und Wandhaltern: Bestimmte Gummi- und Kunststoffauflagen können mit manchen Lacken, besonders Nitrocelluloselack, reagieren und Flecken hinterlassen. Wenn deine Gitarre so lackiert ist, achte auf Halter, die der Hersteller als lackverträglich angibt, oder lege ein Tuch dazwischen.

Transport

  • Im Winter die Gitarre nach dem Transport im geschlossenen Koffer oder Gigbag eine Weile im warmen Raum liegen lassen, bevor du sie auspackst. So vermeidest du schnelle Temperatursprünge.
  • Kabel, Stimmgerät und Kapodaster gehören in die Tasche, nicht lose auf die Saiten.
  • Für Bahn, Flugzeug oder Versand ist ein Hartschalenkoffer die sicherste Wahl.
  • Die Gitarre nie unbeaufsichtigt in einem heißen Auto lassen.

Besonderheiten bei der E-Gitarre

E-Gitarren sind dank massivem Korpus und dickerem Lack weniger empfindlich gegenüber Luftfeuchte, brauchen aber an anderer Stelle Aufmerksamkeit. Knackt es beim Drehen an den Reglern, sind die Potis oft verschmutzt. Kratzt oder setzt der Ton beim Bewegen des Kabels aus, ist häufig die Klinkenbuchse locker oder verschmutzt. Beides lässt sich in einer Werkstatt meist schnell beheben.

Achte außerdem auf die Kabel. Ein defektes Instrumentenkabel ist eine der häufigsten Ursachen für Brummen und Aussetzer. Wickle Kabel locker auf, statt sie eng um die Hand oder den Ellbogen zu knicken, und zieh sie am Stecker, nicht am Kabel aus der Buchse. Die Tonabnehmer selbst brauchen keine Pflege, Staub darauf entfernst du mit einem trockenen Pinsel.

Mechaniken, Gurtpins und Metallteile

Auch die Hardware braucht gelegentlich einen Blick. Wackelt eine Mechanik oder klappert es beim Spielen, hat sich oft eine Mutter oder Schraube an der Kopfplatte gelöst. Zieh sie vorsichtig mit passendem Werkzeug nach, aber nicht mit Gewalt, damit Holz und Gewinde keinen Schaden nehmen. Geschlossene Mechaniken brauchen in der Regel kein Schmiermittel, bei offenen Mechaniken richtest du dich nach der Herstellerangabe.

Gurtpins sollten fest sitzen, sonst kann die Gitarre im Stehen vom Gurt rutschen. Steg, Saitenreiter und Tonabnehmerkappen bei E-Gitarren wischst du mit einem trockenen Tuch ab, damit sich Handschweiß nicht festsetzt. Rost oder Korrosion an Metallteilen ist meist ein Zeichen für zu feuchte Lagerung oder fehlendes Abwischen nach dem Spielen.

Pflegekalender

Wann Was
nach jedem Spielen Saiten und Hals abwischen
wöchentlich Hygrometer ablesen, besonders in der Heizperiode
beim Saitenwechsel Griffbrett reinigen, Bundstäbchen prüfen, Korpus abwischen
alle paar Monate Mechaniken und Gurtpins auf festen Sitz prüfen, bei E-Gitarren Klinkenbuchse und Potis prüfen
bei Jahreszeitenwechsel Saitenlage und Bundstäbchen beobachten
bei Bedarf Einstellung in einer Werkstatt

Wann in die Werkstatt?

Manche Arbeiten solltest du nicht selbst erledigen, wenn du keine Erfahrung hast. Dazu gehören das Nachstellen des Halsstabs, das Abrichten von Bundstäbchen, das Bearbeiten von Sattel und Stegeinlage sowie Reparaturen an Rissen oder gelösten Leimfugen. Eine Werkstatt kann die Gitarre außerdem so einstellen, dass sie leichter spielbar ist, gerade bei günstigen Instrumenten lohnt sich das oft.

Wer eine gebrauchte Gitarre kauft, sollte genau auf Spuren mangelnder Pflege achten, etwa Risse, überstehende Bundstäbchen oder eine hohe Saitenlage. Worauf es ankommt, zeigt die Checkliste für gebrauchte Gitarren.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie oft sollte ich meine Gitarre reinigen?
Saiten und Hals nach jedem Spielen kurz mit einem trockenen Tuch abwischen. Eine gründlichere Reinigung von Griffbrett und Korpus passt gut zum Saitenwechsel, also je nach Spielhäufigkeit alle paar Wochen bis Monate. Starke Verschmutzungen solltest du nicht mit Haushaltsreinigern behandeln.
Welche Luftfeuchtigkeit braucht eine Gitarre?
Für akustische Gitarren aus Massivholz nennen Hersteller häufig einen Bereich von etwa 45 bis 55 Prozent relativer Luftfeuchte. Kurzfristige Abweichungen sind unkritisch, lange sehr trockene Phasen, etwa im Winter mit Heizungsluft, können aber zu Rissen und überstehenden Bundstäbchen führen. Maßgeblich sind die Angaben des Herstellers deiner Gitarre.
Darf ich das Griffbrett ölen?
Unlackierte Griffbretter, etwa aus Palisander oder Ebenholz, können gelegentlich sehr sparsam mit einem dafür vorgesehenen Pflegemittel behandelt werden. Lackierte Griffbretter, wie sie oft bei Ahorn vorkommen, werden nicht geölt, sondern nur abgewischt. Im Zweifel lieber weniger und nur nach Herstellerangabe.
Soll ich die Saiten entspannen, wenn ich die Gitarre länger nicht spiele?
Für einige Wochen Pause ist das in der Regel nicht nötig, die Gitarre kann gestimmt bleiben. Bei sehr langer Lagerung oder Versand empfehlen manche Hersteller, die Saiten etwas zu entspannen. Ganz lösen solltest du sie nicht dauerhaft, weil der Hals auf die Saitenspannung eingestellt ist.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.