Gitarre kaufen

Konzertgitarre oder Westerngitarre für Anfänger?

Nylon oder Stahl, breiter oder schmaler Hals, warm oder brillant: welche Akustikgitarre zu deiner Musik, deinen Händen und deinem Alltag passt.

Konzertgitarre oder Westerngitarre: Entscheide nach der Musik, die du spielen willst. Wer Pop, Folk, Rock-Balladen oder Lagerfeuerlieder im Kopf hat, nimmt die Westerngitarre. Wer Klassik, Flamenco, Bossa Nova oder leise Liedbegleitung mag, wird mit der Konzertgitarre glücklicher. Für das Lernen selbst sind beide gleich gut, die Unterschiede liegen vor allem bei Saiten, Hals und Klang.

Die Unterschiede auf einen Blick

Merkmal Konzertgitarre Westerngitarre
Saiten Nylon, Basssaiten mit Metall umsponnen Stahl, alle sechs Saiten aus Metall
Zugkraft gering deutlich höher
Gefühl für die Finger weich, schont die Kuppen straffer, anfangs schmerzhafter
Hals breit, flaches Griffbrett schmaler, leicht gewölbtes Griffbrett
Saitenabstand größer enger
Klang warm, rund, weich hell, brillant, obertonreich
Lautstärke eher leise lauter
Anschlag meist mit Fingern Plektrum oder Finger
Saitenbefestigung am Steg geknotet mit Stegpins oder durch den Steg
Typische Musik Klassik, Flamenco, Bossa, Kinderlieder Pop, Folk, Country, Singer-Songwriter

Eine wichtige Regel gleich vorweg: Die Saiten sind nicht austauschbar. Eine Westerngitarre bekommt Stahlsaiten, eine Konzertgitarre Nylonsaiten. Die Gründe und die Unterschiede innerhalb der Saitensorten erklärt der Ratgeber Nylon- oder Stahlsaiten.

Die Konzertgitarre: weich und warm

Die Konzertgitarre, oft auch klassische Gitarre genannt, ist die Gitarre der Musikschulen. Ihre Nylonsaiten geben unter den Fingern nach, deshalb sind die ersten Wochen für die Fingerkuppen deutlich angenehmer. Der Klang ist rund und weich, laute Akkordbegleitung klingt auf ihr eher gedämpft.

Was für sie spricht:

  • Fingerkuppen werden geschont, Hornhaut ist anfangs weniger ein Thema.
  • Der größere Saitenabstand erleichtert das saubere Greifen einzelner Saiten, weil die Finger mehr Platz haben.
  • Ideal für Zupfmuster, klassische Stücke und Fingerstyle mit Nylonklang.
  • Kindergitarren in kleinen Größen gibt es fast nur als Konzertgitarre.

Was gegen sie sprechen kann:

  • Der breite Hals verlangt bei manchen Akkorden mehr Spreizung, kleine Hände tun sich damit schwerer.
  • Im Lagerfeuer- oder Bandkontext ist sie leiser und setzt sich gegen Gesang schlechter durch.
  • Wer den typischen Stahlsaitenklang aus Pop und Folk im Ohr hat, vermisst ihn.

Die Westerngitarre: hell und durchsetzungsstark

Die Westerngitarre, auch Akustik- oder Steelstring-Gitarre genannt, ist das Instrument der Singer-Songwriter. Stahlsaiten klingen hell und kräftig, besonders beim Anschlag mit Plektrum. Der Hals ist schmaler und erinnert eher an eine E-Gitarre. Ein im Hals eingebauter, verstellbarer Halsstab gleicht die Zugkraft der Stahlsaiten aus.

Was für sie spricht:

  • Der schmalere Hals liegt vielen Händen besser, Barré-Griffe und Akkorde mit großer Spreizung fallen leichter.
  • Lauter, brillanter Klang, der sich gegen Stimme und andere Instrumente durchsetzt.
  • Viele Lieder aus Pop und Folk klingen nur mit Stahlsaiten so, wie man sie kennt.
  • Der Umstieg auf die E-Gitarre fällt leichter, weil Halsform und Saitenabstand ähnlicher sind.

Was gegen sie sprechen kann:

  • Die Stahlsaiten drücken in den ersten Wochen spürbar in die Fingerkuppen.
  • Bei schlecht eingestellten Instrumenten liegen die Saiten hoch, dann brauchst du viel Kraft.
  • Der größere Korpus vieler Modelle ist für kleine Menschen unbequem.

Hals, Hände und Haltung

Neben dem Musikstil ist die Hand die zweite wichtige Frage. Ein breiter Konzertgitarrenhals gibt den Fingern Platz, verlangt aber Spreizung, besonders bei Akkorden wie G-Dur oder bei späteren Barré-Griffen. Ein schmaler Westerngitarrenhals lässt die Hand weiter um den Hals greifen, die Finger stehen dafür enger zusammen. Menschen mit kräftigen Fingern berühren auf dem schmalen Hals leichter versehentlich eine Nachbarsaite.

Der beste Test ist das Anspielen: Greife im Laden auf beiden Gitarrenarten ein paar einfache Akkorde wie E-Moll, C-Dur und G-Dur. Auch wenn sie noch nicht sauber klingen, spürst du schnell, welcher Hals sich natürlicher anfühlt.

Auch die Korpusgröße zählt. Konzertgitarren haben eine recht einheitliche Form. Westerngitarren gibt es dagegen in vielen Bauformen, von der großen Dreadnought über mittelgroße Modelle bis zu kleinen Parlor- und Reisegitarren. Wer klein ist oder viel auf dem Sofa übt, sollte ein kleineres Modell ausprobieren.

Welche Gitarre passt zu welcher Musik?

Du willst vor allem … Empfehlung
Pop, Folk, Country, Singer-Songwriter begleiten Westerngitarre
Lagerfeuer- und Partylieder mit Plektrum schlagen Westerngitarre
Klassische Stücke oder Flamenco lernen Konzertgitarre
Bossa Nova, Latin, ruhige Balladen Konzertgitarre
Kinderlieder leise begleiten Konzertgitarre
Fingerstyle mit modernem Stahlsaitenklang Westerngitarre
Später auf die E-Gitarre umsteigen Westerngitarre, alternativ gleich E-Gitarre
Noch völlig offen Beide anspielen, nach Gefühl entscheiden

Wer eigentlich Rock und Metal spielen möchte, sollte ehrlich prüfen, ob nicht gleich eine E-Gitarre die bessere Wahl ist. Die Übersicht über alle drei Gitarrenarten steht im Ratgeber Erste Gitarre kaufen.

Sonderformen, die du kennen solltest

Crossover-Gitarren verbinden Nylonsaiten mit einem schmaleren Hals. Sie sind ein Kompromiss für alle, die den weichen Saitenkomfort wollen, mit dem breiten klassischen Hals aber nicht zurechtkommen.

Elektroakustische Gitarren haben einen eingebauten Tonabnehmer, meist mit Klangregelung und Stimmgerät. Das ist praktisch, wenn du später mit Verstärker spielen oder aufnehmen willst. Für das Üben zu Hause brauchst du die Elektronik nicht.

Kleine Westerngitarren mit kurzem Hals und kleinem Korpus sind bequem für Kinder, Jugendliche und kleinere Erwachsene. Die kürzere Mensur senkt auch die Saitenspannung etwas, das Greifen fällt leichter.

Für Kinder: meistens die Konzertgitarre

Für Kinder wird fast immer die Konzertgitarre empfohlen. Sie ist in passenden Größen erhältlich, die Nylonsaiten sind für kleine Fingerkuppen schonender, und viele Musikschulen unterrichten Kinder auf ihr. Welche Größe passt und wie man sie ausprobiert, zeigt der Ratgeber Gitarrengrößen für Kinder.

Die Saitenlage ist wichtiger als die Gitarrenart

Viele Anfänger geben nicht auf, weil sie die falsche Gitarrenart gewählt haben, sondern weil das Instrument schlecht spielbar ist. Liegen die Saiten zu hoch über dem Griffbrett, braucht jeder Akkord viel Kraft und klingt trotzdem unsauber. Das gilt für Westerngitarren mit ihren straffen Stahlsaiten besonders.

Achte deshalb beim Kauf auf eine niedrige Saitenlage, saubere Bundstäbchen und Mechaniken, die die Stimmung halten. Ein gut eingestelltes Einsteigerinstrument ist hilfreicher als ein teures Modell, das ungeprüft aus dem Karton kommt. Viele Fachgeschäfte stellen die Gitarre vor der Übergabe ein, frag ausdrücklich danach.

Checkliste für deine Entscheidung

  • Welche drei Lieder möchtest du als Erstes spielen, und welche Gitarre hörst du in den Aufnahmen?
  • Spielst du lieber mit Plektrum oder mit den Fingern?
  • Wie groß sind deine Hände, und wie fühlen sich beide Halsformen beim Anspielen an?
  • Wo übst du: im Wohnzimmer, in der Mietwohnung am Abend, draußen mit Freunden?
  • Wie empfindlich sind deine Fingerkuppen, und wie viel Geduld hast du für die ersten Wochen?
  • Wer spielt die Gitarre: ein Kind, ein Jugendlicher oder ein Erwachsener?

Wenn du mehrere Antworten auf eine Seite bringst, ist die Entscheidung klar. Bleibt es unentschieden, nimm die Gitarre, die dich beim Anspielen spontan mehr anspricht. Ein Instrument, das du gern in die Hand nimmst, übt sich von allein.

So geht es nach dem Kauf weiter

Egal, für welche Gitarre du dich entscheidest: Die ersten Schritte sind dieselben. Stimmen, richtig halten, die ersten Akkorde und ein einfacher Rhythmus. Rechne bei der Westerngitarre damit, dass die Fingerkuppen in den ersten Wochen schneller ermüden, und übe lieber öfter kurz als selten lang. Den Fahrplan für den Einstieg findest du im Ratgeber Gitarre lernen für Anfänger.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Ist die Konzertgitarre leichter zu lernen als die Westerngitarre?
Nicht grundsätzlich. Die Nylonsaiten sind weicher und tun anfangs weniger weh. Der breitere Hals verlangt aber mehr Spreizung, was bei kleinen Händen schwieriger sein kann. Die Grundlagen wie Akkorde, Rhythmus und Haltung sind auf beiden Gitarren dieselben.
Kann ich Stahlsaiten auf eine Konzertgitarre aufziehen?
Nein. Stahlsaiten erzeugen eine deutlich höhere Zugkraft, für die eine Konzertgitarre nicht gebaut ist. Hals und Decke können sich verziehen, der Steg kann sich lösen. Umgekehrt halten Nylonsaiten an den Stegpins einer Westerngitarre nicht richtig und klingen dort dünn.
Welche Gitarre ist besser für Lagerfeuer und Liedbegleitung?
Meist die Westerngitarre. Sie ist lauter, setzt sich gegen Gesang besser durch und klingt beim Anschlag mit Plektrum brillant. Wer leiser und wärmer begleiten möchte, etwa bei Kinderliedern oder ruhigen Balladen, ist mit der Konzertgitarre gut bedient.
Kann ich später von der Konzertgitarre auf die Westerngitarre wechseln?
Ja, problemlos. Griffe, Akkordwechsel und Rhythmusgefühl nimmst du mit. Neu sind nur der schmalere Hals und die strafferen Saiten, an die sich die Fingerkuppen in einigen Wochen gewöhnen. Viele Gitarristen spielen später beide Instrumente.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.