Gitarre kaufen

Gitarrengrößen: Welche Gitarre passt für Kinder (1/4 bis 4/4)?

Körpergröße statt Alter: wie du die passende Kindergitarre findest, was die Bruchzahlen bedeuten und wann die nächste Größe dran ist.

Welche Gitarrengröße ein Kind braucht, entscheidet vor allem seine Körpergröße und Armlänge, nicht das Alter. Kindergitarren gibt es in den Größen 1/4, 1/2, 3/4 und 7/8, Erwachsene spielen 4/4. Ob eine Größe passt, zeigt am zuverlässigsten eine kurze Probe mit dem Instrument in der Hand. Die Tabelle unten liefert Richtwerte, die du als Startpunkt verwenden kannst.

Was die Größenangaben bedeuten

Die Bruchzahlen beschreiben, wie groß eine Gitarre im Vergleich zur Erwachsenengitarre ist. Wörtlich nehmen darf man sie nicht: Eine 1/2-Gitarre ist nicht halb so groß wie eine 4/4-Gitarre. Die wichtigste Maßzahl ist die Mensur, die schwingende Saitenlänge zwischen Sattel und Steg. Je kürzer die Mensur, desto enger liegen die Bünde beieinander und desto weniger muss die Greifhand spreizen. Auch Korpus und Halsbreite werden bei kleinen Größen entsprechend schmaler.

Da die Größen nicht genormt sind, weichen die Mensuren je nach Hersteller etwas voneinander ab. Zwei Gitarren mit der Bezeichnung 3/4 können sich deshalb unterschiedlich anfühlen. Ein Blick auf die angegebene Mensur hilft beim Vergleich.

Richtwerte für Kindergitarren

Die folgenden Werte sind eine grobe Orientierung, wie sie Hersteller und Händler ähnlich angeben. Die Angaben überschneiden sich bewusst, weil Kinder unterschiedlich proportioniert sind.

Größe Mensur etwa Körpergröße etwa Alter grob
1/4 44 bis 49 cm bis 120 cm 4 bis 7 Jahre
1/2 52 bis 55 cm 110 bis 135 cm 6 bis 9 Jahre
3/4 57 bis 62 cm 125 bis 150 cm 8 bis 11 Jahre
7/8 61 bis 63 cm 135 bis 160 cm 10 bis 13 Jahre
4/4 63 bis 66 cm ab 150 bis 160 cm ab 12 bis 14 Jahren

Die Körpergröße ist der bessere Anhaltspunkt als das Alter. Ein großes Siebenjähriges kann mit einer 1/2-Gitarre gut zurechtkommen, ein zierliches Zehnjähriges dagegen noch eine 1/2 oder 3/4 brauchen. Lange Arme oder große Hände können eine Größe nach oben verschieben, kleine Hände eher nach unten.

Die Probe: So findest du die passende Größe

Die zuverlässigste Methode ist das Ausprobieren im Fachgeschäft, in der Musikschule oder mit einer geliehenen Gitarre. Diese Schritte helfen:

  1. Sitzhaltung: Das Kind sitzt aufrecht auf einem Stuhl in passender Höhe, beide Füße erreichen den Boden oder eine Fußbank.
  2. Gitarre auflegen: Der Korpus liegt auf dem Oberschenkel, die Gitarre lehnt leicht am Oberkörper. Der Arm der Schlaghand liegt locker auf der Zarge.
  3. Erster Bund: Mit der Greifhand erreicht das Kind den ersten Bund, ohne die Schulter nach vorn zu ziehen oder den Oberkörper zu verdrehen.
  4. Armlängen-Probe: Eine verbreitete Faustregel: Stellt man die Gitarre aufrecht, setzt das Kind den Ellenbogen auf die Zarge und legt den Unterarm am Hals an, dann sollte das Handgelenk etwa zwischen dem ersten und zweiten Bund liegen.
  5. Schlaghand: Der Arm reicht bequem über den Korpus bis zum Schallloch, ohne dass die Schulter hochgezogen wird.
  6. Kurztest: Ein einfacher Griff mit einem oder zwei Fingern soll ohne Verrenkung gelingen.

Wirkt das Kind angestrengt, beugt es sich weit über die Gitarre oder rutscht die Gitarre immer wieder weg, ist das Instrument wahrscheinlich zu groß. Eine Lehrkraft erkennt das meist auf den ersten Blick.

Zwischen zwei Größen: eher kleiner

Die Versuchung ist groß, eine Nummer größer zu kaufen, damit das Kind länger etwas davon hat. Davon raten Lehrkräfte in der Regel ab. Eine zu große Gitarre führt zu einer verkrampften Haltung, die Finger erreichen die Bünde nur mit Mühe, und einfache Griffe werden zur Kraftprobe. Das kostet Motivation, gerade in den ersten Monaten. Eine etwas zu kleine Gitarre ist dagegen kaum ein Problem: Sie lässt sich bequem spielen, bis der nächste Wechsel ansteht.

Stuhl und Fußbank nicht vergessen

Die richtige Gitarrengröße hilft wenig, wenn das Kind auf einem zu hohen Stuhl sitzt und die Füße in der Luft baumeln. Dann rutscht die Gitarre, und der Rücken krümmt sich. Ideal ist ein Stuhl ohne Armlehnen, auf dem das Kind mit beiden Füßen fest auf dem Boden steht und die Oberschenkel etwa waagerecht sind. Für die klassische Haltung auf der Konzertgitarre kommt eine kleine Fußbank unter den Fuß auf der Seite der Greifhand, damit der Gitarrenhals leicht ansteigt. Viele Musikschulen haben passende Stühle und Fußbänke, für zu Hause reicht oft ein stabiler Hocker oder ein dickes Buch als Fußstütze.

Konzertgitarre, Westerngitarre oder E-Gitarre?

Kindergitarren in den kleinen Größen sind fast immer Konzertgitarren mit Nylonsaiten. Das hat gute Gründe: Die weichen Saiten schonen die Fingerkuppen, und Musikschulen unterrichten Kinder meist auf diesem Instrument. Westerngitarren und E-Gitarren gibt es ebenfalls in kleineren Ausführungen, etwa als Reise- oder Kurzmensur-Modelle. Für ältere Kinder, die gezielt Pop oder Rock spielen wollen, kann das sinnvoll sein. Die Unterschiede zwischen Nylon und Stahl erklärt der Ratgeber Konzertgitarre oder Westerngitarre.

Auf eine Kinder-Konzertgitarre gehören immer Nylonsaiten, niemals Stahlsaiten. Die höhere Zugkraft kann das Instrument beschädigen.

Qualität: Kindergitarren sind kein Spielzeug

Billige Kindergitarren aus dem Spielwarenregal sehen aus wie Instrumente, lassen sich aber oft kaum spielen. Typische Probleme sind hohe Saitenlage, schlecht laufende Mechaniken und eine Stimmung, die nach wenigen Minuten nicht mehr stimmt. Für Kinderfinger, die ohnehin weniger Kraft haben, ist das besonders frustrierend.

Achte deshalb auch bei kleinen Gitarren auf diese Punkte:

  • Saiten liegen niedrig über dem Griffbrett, auch in den höheren Bünden.
  • Die Gitarre hält die Stimmung über eine Übungseinheit.
  • Keine scharfen Bundkanten am Halsrand.
  • Mechaniken drehen sich gleichmäßig und lassen sich von Kinderhänden bedienen.
  • Das Instrument ist ein Musikinstrument, kein Dekoartikel: echte Saiten, verstellbare Mechaniken, saubere Verarbeitung.

Ein Fachgeschäft kann die Saitenlage meist nachstellen, wenn sie zu hoch ist.

Kaufen, leihen oder mieten?

Kinder durchlaufen oft zwei oder drei Größen, bis sie bei der Erwachsenengitarre ankommen. Deshalb lohnt sich der Blick auf Alternativen zum Neukauf:

Möglichkeit Geeignet, wenn …
Leihinstrument der Musikschule das Kind dort Unterricht hat und die Musikschule Instrumente verleiht
Mietmodell beim Händler noch unklar ist, ob das Kind dabeibleibt
Gebrauchtkauf du die Gitarre prüfen kannst oder eine Lehrkraft dabei ist
Neukauf das Kind schon länger spielt und die Größe eine Weile passen wird

Ob eine Musikschule Instrumente verleiht und zu welchen Bedingungen, ist von Ort zu Ort verschieden. Frag am besten direkt nach. Worauf es beim Unterricht für Kinder ankommt, steht im Ratgeber Gitarrenunterricht.

Wann die nächste Größe dran ist

Ein Wechsel steht an, wenn das Kind auf der Gitarre zusammengekauert wirkt, die Finger auf dem Griffbrett kaum noch Platz haben oder die Lehrkraft dazu rät. Kinder wachsen nicht gleichmäßig, deshalb lohnt sich die Probe aus diesem Ratgeber etwa einmal im Jahr. Der Übergang zur 4/4-Gitarre klappt oft gut über eine 7/8-Größe, die sich wie eine Erwachsenengitarre anfühlt, nur etwas handlicher.

Auch für Erwachsene interessant

Die Zwischengrößen sind nicht nur etwas für Kinder. Erwachsene mit kleinen Händen oder geringer Körpergröße kommen mit einer 7/8-Konzertgitarre oft besser zurecht als mit der vollen Größe. Auch als Reisegitarre sind kleinere Instrumente beliebt. Ein Probespiel lohnt sich also für alle, die mit der 4/4-Gitarre nicht recht warm werden. Weitere Kriterien für den Kauf bündelt der Ratgeber Erste Gitarre kaufen.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Ab welchem Alter kann ein Kind Gitarre lernen?
Viele Musikschulen beginnen mit Gitarrenunterricht im Grundschulalter, manche bieten früher spielerische Angebote an. Wichtiger als das Alter sind genug Kraft in den Fingern, Freude am Instrument und eine Gitarre in passender Größe. Frag am besten bei der Musikschule vor Ort nach.
Lieber eine Nummer größer kaufen, damit das Kind hineinwächst?
Besser nicht. Eine zu große Gitarre zwingt zu einer verkrampften Haltung, der erste Bund ist schwer zu erreichen und Akkorde verlangen zu viel Spreizung. Das frustriert. Liegt das Kind genau zwischen zwei Größen, ist die kleinere meist die bessere Wahl.
Was bedeuten die Bruchzahlen wie 3/4 oder 7/8?
Sie bezeichnen die Größe im Verhältnis zur Erwachsenengitarre, die als 4/4 gilt. Mathematisch genau sind die Bruchzahlen nicht. Entscheidend ist die Mensur, also die schwingende Saitenlänge zwischen Sattel und Steg. Die Hersteller geben sie meist in Zentimetern oder Millimetern an.
Kaufen, leihen oder mieten?
Weil Kinder schnell wachsen, verleihen viele Musikschulen Instrumente oder Händler bieten Mietmodelle an. Das lohnt sich vor allem in den ersten Jahren mit mehreren Größenwechseln. Gebrauchte Kindergitarren sind eine weitere günstige Möglichkeit.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.