Einstieg

Gitarre richtig halten: Haltung im Sitzen und Stehen

Klassisch mit Fußbank, locker auf dem rechten Bein oder im Stehen mit Gurt: So hältst du die Gitarre stabil, entspannt und ohne Verkrampfung.

Haltungs-Check vor dem Spielen

  1. Stuhl wählen

    Fester Stuhl ohne Armlehnen, Sitzhöhe so, dass die Oberschenkel etwa waagerecht sind. Vorne auf der Sitzfläche sitzen, Rücken aufrecht, nicht angelehnt.

  2. Gitarre ablegen

    Die Gitarre liegt auf dem Oberschenkel und lehnt leicht am Oberkörper. Sie bleibt liegen, auch wenn du beide Hände kurz wegnimmst.

  3. Anschlagsarm auflegen

    Der Unterarm der Anschlagshand liegt locker auf der oberen Zargenkante, die Hand hängt entspannt über dem Schallloch oder den Tonabnehmern.

  4. Greifhand ansetzen

    Der Daumen liegt hinter dem Hals, die Finger kommen von oben auf die Saiten. Das Handgelenk ist nur leicht gebeugt, nicht stark abgeknickt.

  5. Schultern prüfen

    Schultern bewusst sinken lassen, kurz ausatmen. Wenn sich etwas anspannt, Gitarre neu ablegen statt die Spannung zu halten.

Die Gitarre ist richtig gehalten, wenn sie von allein stabil liegt und keine Hand sie festhalten muss. Dann können sich beide Hände ganz auf Greifen und Anschlagen konzentrieren. Im Sitzen gibt es zwei verbreitete Haltungen, die klassische und die Folk-Haltung, im Stehen übernimmt ein Gurt die Arbeit. Alle drei haben dasselbe Ziel: lockere Schultern, entspannte Arme und Handgelenke ohne starken Knick.

Die Beschreibungen gelten für Rechtshänder, also Greifhand links und Anschlagshand rechts. Wer eine Linkshänder-Gitarre spielt, überträgt alles spiegelverkehrt. Einen Überblick über alle ersten Schritte gibt der Ratgeber Gitarre lernen für Anfänger.

Warum die Haltung so viel ausmacht

Eine ungünstige Haltung fällt am Anfang kaum auf, weil die Übungseinheiten kurz sind. Mit der Zeit summiert sie sich aber: Ein stark abgeknicktes Handgelenk macht Griffe schwerer, hochgezogene Schultern führen zu Verspannungen, und eine rutschende Gitarre zwingt die Greifhand, den Hals festzuhalten, statt frei zu greifen. Viele Probleme, die Einsteiger für fehlendes Talent halten, sind in Wahrheit Haltungsprobleme.

Die klassische Haltung

Die klassische Haltung ist auf der Konzertgitarre verbreitet und eignet sich besonders für Zupftechnik und klassische Stücke.

  • Sitz: vorne auf einem festen Stuhl ohne Armlehnen, Rücken aufrecht.
  • Linker Fuß: auf einer Fußbank, sodass der linke Oberschenkel leicht ansteigt.
  • Gitarre: Die Taille der Gitarre liegt auf dem linken Oberschenkel, der untere Teil des Korpus lehnt am rechten Oberschenkel, die Rückseite berührt leicht den Oberkörper.
  • Hals: zeigt schräg nach oben, der Kopf der Gitarre liegt etwa auf Schulterhöhe.
  • Greifhand: Daumen etwa mittig hinter dem Hals, Finger stehen von oben auf den Saiten.

Statt einer Fußbank gibt es Gitarrenstützen, die am Korpus befestigt werden und die Gitarre auf dem Oberschenkel anheben. Beide Füße bleiben dann auf dem Boden, was manchen Menschen mit Rücken- oder Hüftbeschwerden angenehmer ist. Welche Variante dir besser liegt, kannst du ausprobieren, beide gehören zur Grundausstattung, die der Ratgeber Gitarrenzubehör beschreibt.

Die Folk-Haltung

Die Folk-Haltung ist bei Westerngitarre, E-Gitarre und Liedbegleitung üblich und für viele Einsteiger zunächst bequemer.

  • Sitz: ebenfalls aufrecht, vorne auf dem Stuhl.
  • Gitarre: Die Taille liegt auf dem rechten Oberschenkel.
  • Hals: zeigt flacher nach links, leicht ansteigend, nicht nach unten hängend.
  • Füße: beide auf dem Boden. Manche stellen den rechten Fuß etwas höher, damit die Gitarre nicht wegrutscht.
  • Greifhand: Der Daumen darf weiter oben sitzen und bei manchen Griffen über den Halsrand schauen.

Der häufigste Fehler in der Folk-Haltung ist, die Gitarre nach hinten zu kippen, um auf das Griffbrett zu schauen. Dadurch knickt das Handgelenk der Greifhand ab. Besser ist es, den Kopf leicht zu neigen und die Gitarre aufrecht zu lassen.

Vergleich der Haltungen

Haltung Gitarre liegt auf Hals Passt besonders zu
Klassisch linkem Oberschenkel, linker Fuß erhöht schräg ansteigend Konzertgitarre, Zupftechnik, klassische Stücke
Folk rechtem Oberschenkel flacher, leicht ansteigend Westerngitarre, E-Gitarre, Liedbegleitung
Stehend mit Gurt Gurt über der linken Schulter ähnlich wie im Sitzen Proben, Auftritte, Spielen mit Band

Im Stehen spielen

Für das Spielen im Stehen brauchst du einen Gurt. Westerngitarren und E-Gitarren haben dafür meist zwei Gurtpins, Konzertgitarren oft keinen oder nur einen. Dann gibt es Gurtlösungen, die am Schallloch oder an der Kopfplatte befestigt werden.

So stellst du den Gurt ein: Setz dich in deine gewohnte Folk-Haltung und stelle den Gurt so ein, dass er gerade eben trägt. Steh dann auf. Die Gitarre sollte jetzt ungefähr in derselben Position hängen wie im Sitzen. Sehr tief hängende Gitarren sehen lässig aus, zwingen die Greifhand aber in einen starken Knick und machen viele Griffe deutlich schwerer.

Für Proben und Auftritte lohnt es sich, Lieder rechtzeitig auch im Stehen zu üben. Viele merken erst dann, dass sich Griffe und Anschlag im Stehen anders anfühlen.

Die Greifhand

  • Der Daumen liegt hinter dem Hals und drückt nur leicht dagegen. Er ist Gegenhalt, kein Schraubstock.
  • Die Finger stehen möglichst senkrecht auf den Saiten, damit sie die Nachbarsaiten nicht berühren.
  • Die Fingerkuppe greift dicht hinter dem Bundstäbchen, so ist am wenigsten Druck nötig.
  • Das Handgelenk ist leicht gebeugt, aber nicht stark abgeknickt.
  • Der Ellbogen hängt locker neben dem Körper und wird nicht weit abgespreizt.

Zu viel Druck ist einer der Hauptgründe für schmerzende Fingerkuppen. Wie du die richtige Kraft findest und was gegen wunde Finger hilft, erklärt der Artikel Fingerkuppen tun weh.

Die Anschlagshand

Der Unterarm der Anschlagshand liegt locker auf der oberen Kante des Korpus. Die Bewegung beim Schlagen kommt vor allem aus dem Handgelenk und dem Unterarm, nicht aus der Schulter. Bei der Konzertgitarre schweben die Finger über den Saiten, das Handgelenk ist leicht gewölbt. Mit Plektrum hältst du es zwischen Daumen und Zeigefinger, sodass nur die Spitze ein Stück herausschaut.

Passt die Gitarre zu deinem Körper?

Manche Haltungsprobleme lassen sich nicht durch Sitzen lösen, weil die Gitarre einfach zu groß ist. Das betrifft vor allem Kinder, aber auch zierliche Erwachsene, die mit einer großen Westerngitarre spielen. Typische Zeichen: Der Arm der Anschlagshand muss sich weit über den Korpus strecken, die Greifhand erreicht die ersten Bünde nur mit ausgestrecktem Arm, oder die Schulter wird ständig hochgezogen.

Für Kinder gibt es Gitarren in kleineren Größen. Erwachsene können auf Modelle mit kleinerem Korpus oder kürzerer Mensur ausweichen. Probiere die Gitarre vor dem Kauf in deiner üblichen Spielhaltung aus und achte darauf, ob du ohne Anstrengung alle Bünde bis zum Korpusansatz erreichst.

Kurz lockern vor dem Spielen

Ein paar Sekunden Lockerung vor jeder Einheit helfen, Verspannungen gar nicht erst entstehen zu lassen: Schultern kreisen lassen, Hände ausschütteln, Finger einige Male öffnen und schließen. Auch zwischendurch lohnt sich eine kurze Pause, in der du die Gitarre ablegst und die Arme hängen lässt.

Typische Haltungsfehler

Fehler Folge Abhilfe
Gitarre nach hinten gekippt Handgelenk knickt ab, Griffe werden schwer Gitarre aufrecht, nur den Kopf leicht neigen
Hals hängt nach unten Greifarm muss sich strecken Hals leicht ansteigen lassen, Fuß erhöhen
Greifhand hält die Gitarre fest Finger sind nicht frei, Verkrampfung Gitarre so ablegen, dass sie allein liegt
Schultern hochgezogen Verspannungen in Nacken und Schultern regelmäßig Schultern sinken lassen
Daumen presst stark schnelle Ermüdung der Hand Druck reduzieren, Daumen locker halten
Sofa oder weicher Sessel Gitarre rutscht, Rücken rund fester Stuhl ohne Armlehnen
Gurt zu lang starker Knick im Handgelenk Gurt kürzer, Position wie im Sitzen

Haltung überprüfen

Allein ist die eigene Haltung schwer zu beurteilen. Zwei einfache Methoden helfen: Spiele einmal vor einem Spiegel und nimm dich ab und zu mit der Handykamera von vorne und von der Seite auf. Vergleiche die Aufnahme mit den Punkten oben. Wer Unterricht nimmt, sollte die Lehrkraft in den ersten Stunden ausdrücklich bitten, auf die Haltung zu achten.

Beim Spielen dürfen sich die Fingerkuppen anfangs wund anfühlen. Schmerzen in Handgelenk, Unterarm, Schulter oder Rücken sind dagegen kein normaler Übungsschmerz. Dann solltest du pausieren, die Haltung prüfen und bei anhaltenden Beschwerden ärztlichen Rat einholen.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Auf welches Bein legt man die Gitarre?
Beides ist möglich. In der klassischen Haltung liegt die Gitarre bei Rechtshändern auf dem linken Oberschenkel, der linke Fuß steht erhöht. In der Folk- oder Liedbegleitungshaltung liegt sie auf dem rechten Oberschenkel. Für Konzertgitarre und Zupftechnik ist die klassische Haltung verbreitet, für Westerngitarre und E-Gitarre die Folk-Haltung.
Wo gehört der Daumen der Greifhand hin?
In der klassischen Haltung liegt der Daumen etwa mittig hinter dem Hals, ungefähr gegenüber dem Mittelfinger. In der Folk-Haltung darf er weiter oben sitzen und bei manchen Griffen über den Halsrand schauen. Wichtig ist, dass er nicht fest gegen den Hals presst.
Warum rutscht meine Gitarre ständig weg?
Meist liegt es an der Sitzposition oder an glatter Kleidung. Hilfreich sind ein Stuhl ohne Armlehnen, eine aufrechte Sitzposition vorne auf der Sitzfläche und ein erhöhter Fuß. Bei Westerngitarren hilft ein Gurt auch im Sitzen, bei Konzertgitarren eine Fußbank oder Gitarrenstütze.
Wie hoch sollte die Gitarre im Stehen hängen?
Für den Anfang etwa so, dass die Gitarre im Stehen ungefähr dort sitzt, wo sie auch im Sitzen liegt. Hängt sie sehr tief, knickt das Handgelenk der Greifhand stark ab, und viele Griffe werden schwerer. Den Gurt stellst du am besten im Sitzen passend ein und prüfst dann im Stehen.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026 von der Redaktion Saitenfabrik.